Realistische Chancen auf weltweite Marktführerschaft
Bertelsmann investiert 30 Mrd. DM in Expansion

Reuters HANNOVER. Der Medienkonzern Bertelsmann kann nach den Worten von Vorstands-Chef Thomas Middelhoff 30 Mrd. DM für die Expansion des Unternehmens ausgeben. Die Mittel stammten vor allem aus strategischen Verkäufen, sagte Middelhoff am Mittwoch in Hannover. Bisher hatte Bertelsmann diese "Kriegskasse" immer mit 22 Mrd. DM beziffert. Allein sieben Mrd. DM sollten bis 2002/2003 in das Internet-Geschäft investiert werden. Der elektronische Handel (E-Commerce) mit Büchern und Musik solle Schwerpunkt des nach eigenen Angaben drittgrößten Medienkonzern der Welt werden. Er sehe dort "realistische Chancen" auf die weltweite Marktführerschaft, sagte Middelhoff.

"Wir haben es mit Zukäufen aber nicht eilig, weil wir auch organisch stark wachsen", sagte der Bertelsmann-Chef weiter. Nach einem Umsatzplus von 25 % auf 32,4 Mrd. DM 1999/2000 (zum 30. Juni) strebe Bertelsmann im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 40 Mrd. DM an. 1999/2000 erzielte Bertelsmann eigenen Angaben zufolge einen Jahresüberschuss von 1,3 Mrd. DM, 45 % mehr als im Jahr davor.

Bertelsmann habe sich aus dem Geschäft mit dem Zugang zum Internet zurückgezogen, weil dieser Geschäftsbereich für den Online-Verkauf eigener Produkte nicht notwendig sei, sagte Middelhoff. Bertelsmann hatte im Frühjahr seine Anteile am Internet-Service-Provider AOL Europe verkauft und anschließend den Netzwerkdienstleister Mediaways veräußert. Auf der anderen Seite übernahm Bertelsmann im Juli den Internet- Musikladen CDnow und hatte zuvor eine Allianz mit dem Fusionsunternehmen Terra Lycos zur Verbreitung der Bertelsmann-Inhalte geschlossen.

Größtes Internet-Unternehmen



Bereits jetzt sei Bertelsmann das größte Internet- Unternehmen gemessen an den Besuchern der zum Konzern gehörenden Websites, sagte Middelhoff. Die Seiten der Internet-Buchläden bol.com und bn.com sowie des Portals Lycos Europe und der Suchmaschine Fireball würden von mehr Menschen besucht als die Seiten der Konkurrenten Disney und Time Warner. Ziel sei nun, diese Internet-Nutzer auch dazu zu bringen, regelmäßig bei Bertelsmann online einzukaufen. Große Erwartungen gebe es bei Bertelsmann deshalb an die neu gegründete Bertelsmann eCommerce Group, in der die Aktivitäten im Online-Handel zusammengefasst würden. Zudem werde ein Venture Capital Fonds mit einem Volumen von 2,2 Mrd. DM finanziert, mit dem neue Geschäfte entwickelt und neue Technologien erschlossen werden sollten.

Die Bertelsmann-Bereiche, in denen Inhalte produziert werden, - darunter der deutsche Zeitschriften-Verlag Gruner+Jahr, der US-Buchverlag Random House und das Musikunternehmen BMG - liefen gut, sagte Middelhoff. Einzige Ausnahme seien die Buch-Clubs, die zu den ursprünglichen Geschäftszweigen des Traditionsunternehmens aus Gütersloh gehören. Die Fernsehbeteiligung von Bertelsmann, die seit Juli börsennotierte RTL Group, soll Middelhoff zufolge ihre Marktposition durch den Ausbau von Anteilen an TV-Sendern stärken. Die RTL Group hatte am Mittwoch einen Anstieg des Vorsteuer-Ergebnisses von 46 % auf 316 Mill. Euro im ersten Halbjahr 2000 bekannt gegeben.

Die Börsengänge einzelner Tochterunternehmen seien ein Teil der Strategie Bertelsmanns, sich verstärkt an den Kapitalmärkten zu orientieren. Zudem sei ein Credit Rating geplant. Die Unabhängigkeit und Kontinuität des Unternehmens solle durch den Rückkauf von Aktien gesichert werden, die gegenwärtig noch der ZEIT-Stiftung gehören. Nach Abschluss des Rückkaufs im Juni 2006 sollten die Bertelsmann Stiftung dann knapp 76,9 % (bisher 68,8 %) und die Gründer-Familie Mohn 23,1 % (bisher 20,5 %) halten.

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