Rebellen legen Forderungen an Mazedonien vor
NATO will Waffenstillstand in Südserbien vermitteln

Angesichts der jüngsten Offensive albanischer Extremisten in Südserbien will die NATO einen Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien vermitteln. Die albanischen Rebellen lehnten am Wochenende aber eine Rückkehr jugoslawischer Streitkräfte in einen Teil der Pufferzone strikt ab.

ap BUJANOVAC/SKOPJE. In Mazedonien legten die Rebellen erstmals politische Forderungen vor. Unterdessen verurteilte Bundesaußenminister Joschka Fischer die Eskalation der Gewalt.

Die NATO, die einer Rückkehr der jugoslawischen Armee in einen Teil der Pufferzone bereits zugestimmt hat, will vor deren Einrücken die Lage durch eine Waffenruhe entschärfen. Der NATO-Sondergesandte Pieter Feith sprach am Wochenende mit Albanern und jugoslawischen Regierungsvertretern. Die Albaner lehnten am Samstag eine Rückkehr jugoslawischer Truppen ab.

Der Kommandeur der Kosovo-Truppe KFOR, der italienische Generalleutnant Carlo Cabigiosu, traf am Freitag mit einem Führer der albanischen Extremisten, Shefket Musliu, zusammen. Musliu erklärte anschließend, er werde sich keinem Diktat der NATO beugen. "Wir werden bis zum letzten Mann kämpfen", sagte er.

Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic äußerte die Erwartung, dass es früher oder später zu einer Konfrontation zwischen der NATO und den Rebellen kommen werde. Andernfalls riskiere das westliche Militärbündnis ein Scheitern seiner Politik oder die eigene Demütigung, sagte Djindjic der Zeitung "Glas". Nach dem Ende des Kosovo-Kriegs im Juni 1999 habe es die KFOR versäumt, die albanischen Extremisten zu entwaffnen.

In der Nacht zum Sonntag kam es im Presevo-Tal erneut zu Gefechten zwischen Rebellen und jugoslawischen Sicherheitskräften. Dabei seien zwei Bunkerstellungen der Rebellen zerstört worden, teilte die Regierung in Belgrad mit. Allgemein blieb die Lage am Sonntag aber ruhig.

Die Nationale Befreiungsarmee der albanischen Nationalisten in Mazedonien legte erstmals ihre politischen Forderungen vor. Verlangt wird unter anderem eine Verfassungsreform, die Mazedonien als "einen Staat mit zwei konstitutiven Völkern, dem mazedonischen und dem albanischen" definiert. Zugleich soll der albanischen Minderheit, die etwa ein Viertel der Bevölkerung stellt, weitgehende Selbstbestimmung eingeräumt werden.



Albanische Partei in Mazedonien gegründet



Rund 500 Albaner gründeten am Sonntag die Nationale Demokratische Partei, die ähnliche Positionen vertritt. Deren Vorsitzender Fadil Bajrami betonte aber, seine Partei sei nicht der politische Arm der Rebellen.

Der französische Außenminister Hubert Vedrine bekräftigte bei einem Besuch in Skopje das Recht des mazedonischen Staates auf territoriale Integrität. Nach einer Unterredung mit Außenminister Srdjan Kerim sagte Vedrine, zur Bewältigung der Krise sei eine umfassende Abstimmung der internationalen Gemeinschaft erforderlich.

Unterdessen ließ Jugoslawien 99 Kosovo-Albaner frei, die während des Krieges von 1999 inhaftiert wurden. Damit wurde ein kürzlich verabschiedetes Amnestie-Gesetz umgesetzt. Insgesamt sind etwa fünfhundert Kosovo-Albaner in Serbien inhaftiert.

Fischer erklärte in Berlin, die meisten Albaner in den betroffenen Gebieten lehnten Gewalt ab. Es gelte nun, Perspektiven für ein friedliches Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen in den serbischen und mazedonischen Grenzgebieten zum Kosovo zu öffnen und Extremisten zu isolieren.



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