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Rebellen weisen Ultimatum Mazedoniens zurück

Eine Woche nach Beginn der Gefechte um die mazedonische Stadt Tetovo ist ein Ende der Kämpfe nicht abzusehen. Die albanischen Rebellen wiesen am Dienstagabend ein von der Regierung zum Abzug gestelltes Ultimatum zurück. Wenn die Regierung nicht verhandele, würden die Kämpfe in die Stadt hineingetragen werden, sagte ein Kommandant der Rebellen.

afp TETOVO/PRISTINA. Nachdem die albanischen Rebellen ein Ultimatum der mazedonischen Regierung zur Waffenabgabe zurückgewiesen haben, droht eine Ausweitung der Kämpfe in Mazedonien. Ein Anführer der selbsternannten Nationalen Befreiungsarmee UCK sagte am Mittwoch, die Rebellen wollten die vorgeschriebene Frist "absolut nicht" einhalten. Sie würden ihre Positionen nicht aufgeben und auch an neuen Fronten kämpfen, sagte der UCK-Sprecher in der seit Tagen umkämpften Stadt Tetovo im Nordwesten Mazedoniens. Die Regierung in Skopje hatte den Rebellen am Dienstagabend ein 24-stündiges Ultimatum bis Mittwoch um Mitternacht gestellt und im Falle einer Weigerung mit ihrer «Vernichtung» gedroht. International wurden die Forderungen nach einer Reaktion der NATO lauter. Die NATO wollte bei ihrer wöchentlichen Ratssitzung über die Entsendung zusätzlicher Truppen in den Kosovo beraten.

Bis Donnerstag 00.00 Uhr sollten die Rebellen "die Waffen abgeben, sich den Behörden stellen und das mazedonische Gebiet verlassen", verlangte die Regierung. Sollten die Rebellen auf die Fristsetzung nicht eingehen, würden die Regierungstruppen ihre "Aktivitäten bis zur Vernichtung" fortsetzen. Bis zum Ablauf des Ultimatums werde die Armee eine Feuerpause einhalten. Nach Angaben eines deutschen KFOR-Sprechers in Tetovo wurde die Waffenruhe in der Nacht und am Mittwoch zunächst beachtet.

Der EU-Balkan-Koordinator Bodo Hombach warnte im Norddeutschen Rundfunk vor einer Dramatisierung der Ereignisse und mahnte Gespräche an. Statt die Lage "auf einen abschüssigen Weg zu bringen", müssten alle Beteiligten an einen Tisch geholt werden, um die Lage zu beruhigen. Der OSZE-Sonderbeauftragte für Minderheiten, Max van der Stoel, warnte hingegen, die Gefahr eines Bürgerkriegs in Mazedonien sei keineswegs gebannt.

Frankreich entsendet Aufklärungsflugzeuge

Die britische Regierung forderte "eine starke und rasche Reaktion" der KFOR bei den Kontrollen an der Grenze. In einem BBC-Interview sagte Außenminister Robin Cook, er sei sich mit seinem US-Kollegen Colin Powell und europäischen Ministern einig, dass die KFOR den Grenzübertritt weiterer Rebellen verhindern müsse. Frankreich kündigte die Entsendung eines Dutzends unbemannter Aufklärungsflugzeuge zur Überwachung der Grenze an. Die KFOR hatte nach US-Angaben die an der Grenze zwischen dem Kosovo und Mazedonien stationierten Truppen am Dienstagabend um 300 Soldaten aus Norwegen und Großbritannien verstärkt.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok, forderte ein militärisches Eingreifen der NATO. Der Fall Bosnien habe gezeigt, "dass man keine Zeit verlieren darf", sagte Brok im Westdeutschen Rundfunk. Auch die österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner hält ein militärisches Eingreifen der NATO für möglich. Im DeutschlandRadio Berlin sagte sie: "Man muss zumindest darüber nachdenken können, schnelles militärisches Eingreifen möglich zu machen."

Die Bevölkerung Tetovos, der zweitgrößten Stadt Mazedoniens, ist zu 80 Prozent albanisch. In einer in Skopje veröffentlichten Erklärung forderten die albanischen Parteien im mazedonischen Parlament die UCK auf, ihre Waffen niederzulegen. Die Kämpfer sollten «nach Hause zurückkehren», hieß es in dem von der Demokratischen Partei der Albaner (DPA) und der Partei des Demokratischen Wohlstands (PDP) unterzeichneten Erklärung. Der Flüchtlingsstrom in die Nachbarländer nahm weiter zu. Knapp 6 000 Mazedonier flohen nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Anadolu vor der Kriegsgefahr in die Türkei. Insgesamt 2 700 Menschen trafen nach Polizeiangaben in Bulgarien ein.

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