Rechenmodelle als Hilfsmittel
Computer managen erfolgreich Fonds

Psychologische Faktoren beeinflussen das Verhalten von Anlegern stark - bei Profis wie bei Privaten. Zu den bekanntesten Phänomenen zählt der Herdentrieb, gut zu beobachten in den vergangenen Wochen: Da trotz schlechter Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen die Kurse stiegen, wollten viele Fondsmanager und private Anleger die Rally nicht verpassen und sprangen auf den fahrenden Zug auf.

DÜSSELDORF. Um sich von solchen emotionalen Einflussfaktoren frei zu machen, setzen zahlreiche Fondshäuser auf computergestützte Anlageprozesse. Das Fondsresearch-Haus Feri Trust hat für das Handelsblatt zusammen gestellt, wie Aktienfonds, die mit Hilfe von Computer-Modellen gemanagt werden, im Vergleich zum Durchschnitt aller Fonds in ihrem Anlagesegment abschneiden. Es zeigt sich: Die Mehrzahl der so genannten quantitativ (nach Kennzahlen) gemanagten Fonds schneidet besser ab als der Durchschnitt ihrer Wettbewerbsprodukte, die sich allein auf menschlichen Entscheidungen verlassen.

"Das Modell schaltet psychologische Schwächen aus"

Auch Frank R. Lingohr, Miteigentümer der Vermögensverwaltung Lingohr & Partner, schwört auf die computergestützte Kennzahlenauswertung zur Aktienauswahl. Sein Unternehmen berät das Fondsmanagement des Lingohr Systematic BB Invest, einem international anlegenden Aktienfonds der Investmenttochter der Bankgesellschaft Berlin. "Mit unserem Modell schalten wir systematisch psychologische Schwächen aus", sagt Lingohr. Als am 11. September weltweit die Börsianer die Panik erfasste, "haben wir die Hände in den Schoß gelegt und gar nichts gemacht", sagt der Experte. Seine Methode hat Erfolg: In den vergangenen drei Jahren brachte der Fonds eine jährliche Verzinsung von 17 Prozent, der Durchschnitt aller weltweit anlegenden Fonds schaffte nur 6,4 Prozent.

Lingohrs Modell "Chicco" vergleicht Kennzahlen von über 12 000 Unternehmen miteinander, um Kaufkandidaten zu finden. "Das Modell arbeitet mit insgesamt 20 Auswahlkriterien. Je nach Land werden die für diese Region am besten funktionierenden acht Kriterien angewendet", erklärt Lingohr. So würde beispielsweise das Kriterium Dividendenrendite für französische Aktien besonders gute Ergebnisse für die Auswahl liefern, also wird dieses Kriterium bei französischen Werten besonders stark gewichtet.

Das Prinzip: Die Unternehmen werden je nach Abschneiden bei den acht Kriterien in Hitlisten (Rankings) erfasst. Prüfkriterium ist beispielsweise eine spezielle Rentabilitätsgröße. Die Plätze eines Unternehmens in den Einzelrankings werden aufaddiert und durch die Anzahl der Prüfkriterien geteilt. Das Ergebnis ist das Auswahl-Ranking: "Nur die Top 20 Prozent dieser Liste kommen als Kaufkandidaten in Frage", sagt Lingohr. Die Kaufentscheidung trifft aber letztlich dann das Fondsmanagement.

Verwendung auch bei großen Fondshäusern

Auch große Fondshäuser setzten auf quantitative Auswahlmethoden. Bei BNP Paribas bedient sich das Management des Parvest USA Quant Fonds eines Rechenmodells. "Wir mögen Modelle, aber wir vertrauen ihnen nicht blind", erklärt auch Hubert Goyé, Leiter des quantitativen Aktienmanagements von BNP Paribas. Daher spielen Unternehmensbesuche neben den Modellergebnissen auch eine Rolle bei der Titelauswahl. Das Modell der Franzosen ähnelt vom Prinzip her der Methode von Lingohr & Partner. Die Experten von BNP-Paribas wenden es aber nur auf US-Aktien an, weil dort die Datenbasis einheitlich genug sei. Ihr Modell beruht auf fünf Indikatoren, zum Beispiel der erwarteten langfristigen Wachstumsrate des Buchwertes eines Unternehmens oder dem Verhältnis der Zahl der Analysten, die ihre Gewinnschätzung anheben, zur Gesamtzahl der Analysten, die sich mit dem Unternehmen befassen (Kriterium der Streuung der Gewinnrevisionen).

Auch hier wird auf Basis dieser Indikatoren eine Kaufliste zusammen gestellt, die ersten 20 Prozent davon kommen als Kaufkandidaten in Betracht. "Die Endauswahl treffen aber die Fondsmanager, die zusätzlich auf das Research der eigenen Analysten zurückgreifen", erklärt Goyé. Große Über- oder Untergewichtungen einzelner Titel gibt es nicht: Alle 50 Aktien im Fonds haben zwei Prozent Depotanteil.

Kritiker von quantitativen Modellen bemängeln, dass diese zu statisch seien, und etwa Gewinnwarnungen nicht antizipieren könnten. Dem entgegnet Goyé mit einem Beispiel: "Im Dezember 2000 überraschte Network Associates, ein Unternehmen für Sicherheits-Lösungen für Netzwerke, mit einer Gewinnwarnung. Der Kurs brach ein, aber wir sind Aktie treu geblieben." Zu Recht: Der Kurs der Aktie brach zwar von 12 Dollar auf vier Dollar ein. Inzwischen notiert das Papier jedoch bei rund 20 Dollar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%