"Rechnen nicht mit Klage"
Intershop will sich nicht aus US-Markt zurückziehen

dpa JENA. Die Jenaer Intershop AG will mit einer neuen Strategie Konsequenzen aus dem Umsatzeinbruch in den USA ziehen. "Es wird Strukturveränderungen zur Kostensenkung, aber keinen Rückzug aus dem wichtigen US-Markt geben", sagte Intershop-Sprecher Heiner Schaumann am Montag der dpa. Er reagiert damit auf Spekulationen, wonach sich der Hersteller von Handels-Software für das Internet zumindest teilweise aus dem USA-Geschäft verabschieden will.

Nach Angaben von Schaumann wird sich Intershop mit seinen E- Commerce-Lösungen in den USA verstärkt auf Systeme für den Handel zwischen Großunternehmen (business-to-business) konzentrieren. Zu möglichen Veränderungen bei der rund 250 Mitarbeiter zählenden Mannschaft in den USA wollte er sich nicht äußern. "Das ist ein anderer Focus als in Europa." Hier sei der Softwarehersteller mit 1 200 Mitarbeitern auch stark bei Vertriebslösungen von Unternehmen zum Endverbraucher. Zu den Kunden zählten unter anderem große Versandhäuser.

Klagen liegen nicht vor

Einen Bericht von "Platow Börse", wonach das Unternehmen möglicherweise mit dem kompletten Wegfall der US-Umsätze rechnet, bezeichnete Schaumann als Spekulation. "Eine Einschätzung des US- Marktes ist derzeit nicht möglich." Die Umsatz- und Gewinnwarnung für das vierte Quartal war vor allem damit begründet worden, dass US- Unternehmen E-Commerce-Investitionen in dieses Jahr verschoben hätten. Danach war der Aktienkurs von Intershop dramatisch eingebrochen.

Zu einem Bericht, wonach auf das Softwarehaus möglicherweise Klagen von Anlegern zukommen, sagte Schaumann: "Uns liegt keine Klage vor. Wir rechnen auch nicht damit."

Händler am Neuen Markt der Frankfurter Börse zeigten sich am Montag unbeeindruckt von möglichen Schadenersatzforderungen, die eine Anwaltskanzlei prüfen soll. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau könnten solche Meldungen den Markt nicht mehr schocken, sagte Hans von Malzahn vom Bankhaus Metzler. Die Intershop-Papiere zeigten sich auf niedrigem Niveau erholt. Am Nachmittag lagen sie bei knapp 8,60 Euro, ein Plus von gut fünf Prozent. In dieser Woche plant das Unternehmen ein Treffen mit Aktionärsvertretern, bei dem über die aktuelle Situation informiert werden soll.

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