Rechteagentur ISPR hält alle wichtigen Fußball- und Eishockeyrechte in Skandinavien
Kirch lässt auch skandinavischen Sport zittern

Beim schwedischen Fußball-Verband versuchte man am Montag Gelassenheit zu demonstrieren. Die Kirch-Insolvenz zieht nicht nur national, sondern auch weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus ihre Kreise. Über seine Sportrechteverwertungsgesellschaft ISPR, an der zu 49 Prozent auch der Springer-Verlag beteiligt ist, hat sich Kirch Media neben den Fußball-Rechten in Österreich und der Schweiz auch die exklusiven Vermarktungsrechte an der ersten schwedischen Fußball-Liga bis 2005 gesichert.

STOCKHOLM. Für die Rechte zahlte ISPR im Jahr 2000 schätzungsweise 50 Millionen Euro. Die genaue Summe ist nie bekannt gegeben worden. "Für uns ist das ein sehr wichtiges Abkommen", bestätigte am Montag der Generalsekretär des Schwedischen Fußball-Verbands, Sune Hellströmer. "Es ist für viele Vereine die größte Einnahmequelle" sagte Hellströmer dem Handelsblatt. Beunruhigt sei er derzeit nicht, bislang seien alle Zahlungen pünktlich eingegangen. Die nächste Zahlung werde Ende Juni fällig. "Wir gehen davon aus, dass das Geld transferiert wird, zumal die ISPR ja ein rentables Unternehmen sein soll", sagt Hellströmer.

Die ISPR Nordic, die die Vermarktungsrechte für die erste und zweite schwedische Fußball-Liga, die nationalen Pokalspiele, die Hallenmeisterschaften, sämtliche Heimspiele der schwedischen Nationalmannschaft sowie alle Heimspiele schwedischer Klubs in der Champion League besitzt, wollte am Nachmittag die aktuelle Situation nicht näher kommentieren. Allerdings betonte ein Sprecher, man sei "wohl überhaupt nicht von der Kirch-Krise betroffen". Das Unternehmen unterhält im Zentrum Stockholm ein eigenes Büro, über das die nordeuropäischen Vermarktungsrechte verwaltet werden. Die ISPR Nordic besitzt nicht nur die Rechte an schwedischen Fußball-Spielen, sondern konnte sich 1997 auch die internationalen Rechte an der finnischen Fußball-Liga sichern. Wie im Fall Schweden hält ISPR Nordic auch die Vermarktungsrechte an den Heimspielen der finnischen und norwegischen Fußballnationalmannschaft sowie die Rechte an den Heimspielen finnischer Mannschaften in der Champions League.

Eishockey, der Nationalsport in hohen Norden schlechthin, wird in Schweden ebenfalls über die ISPR Nordic vermarktet. "Für uns ist das Abkommen sehr, sehr wichtig", sagt Patrick Wegelius vom Schwedischen Eishockeyverband. "Es ist die mit Abstand größte Einnahmequelle für unsere Klubs".

Nach seiner Einschätzung wird es allerdings keine Probleme durch die Kirch-Krise geben, da die nordeuropäischen Investitionen sehr rentabel für ISPR seien. "Kommt es zu Besitz-Veränderungen in der Kirch-Gruppe, wird sich für ISPR schnell ein neuer Eigner finden", glaubt Wegelius. Dieses Statement erinnert stark an die ersten beschwichtigenden Worte der Manager deutscher Fußball-Bundesligisten.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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