Rechtehändler will Anleihe platzieren
Advanced Medien kämpft um das Überleben an der Börse

Der im Jahr 2000 tief in die Verlustzone gerutschte Filmrechtehändler Advanced Medien AG will 2001 vor allem seine Börsennotiz sichern. Änderungen am Geschäftsmodell sind nicht geplant. Neben neuen Investoren soll eine Anleihe die Geschäfte sichern. Der Großaktionär E-M-S hält sich mit weiteren Geldzusagen zurück.

rtr FRANKFURT. "Ziel ist es, Advanced als börsennotiertes Unternehmen zu erhalten," sagte der neue Vorstandssprecher Otto Dauer am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Dauer zufolge ist die Situation der Gesellschaft von Dezember bis März prekär gewesen. "Die Strategie 2001 ist geprägt vom Willen zu überleben und nicht von Steigerungsraten bei Umsatz und Ertrag". Das erste Quartal 2001 sei "unspektakulär" verlaufen und von "leichter Lethargie" geprägt gewesen, fügte Dauer hinzu.

Advanced Medien hatte im Geschäftsjahr 2000 seine bereits nach unten korrigierten Umsatz- und Ergebnisziele deutlich verfehlt und war tief in die Verlustzone gerutscht. Anfang März hatte sich die Gesellschaft von ihrem bisherigen Vorstandschef Christophe Montague getrennt. Die am Neuen Markt notierte Advanced-Aktie fiel in einem schwächeren Gesamtmarkt um mehr als sechs Prozent auf 1,21 ?.

Die Geschäftsgrundlage bleibt unverändert

Dauer zufolge sieht die Strategie für 2001 kein neues Geschäftsmodell für Advanced Medien vor. "Wir geben nicht auf, ein Filmrechtehändler zu sein, nur weil der Absatz schwierig ist", sagte der Vorstandssprecher. Advanced denke aber darüber nach, sich "tragfähiges Geschäft" mit ins Boot zu holen. Dabei sei eine Fusion oder die Akquisition von nicht börsennotierten Medienunternehmen vorstellbar. "Wir haben mehr als 50 Optionen, wir werden aber keine Namen nennen", sagte Dauer. Entscheidungen würden voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr fallen.

Nach Angaben des Vorstandssprechers sind eine Reihe von institutionellen Investoren bereit, weitere finanzielle Risiken zu tragen. Advanced erwäge zudem, eine Optionsanleihe in Höhe von 3,68 Mill. ? auszugeben. Dauer zeigte sich optimistisch, die Anleihe platzieren zu können. "Wir wollen sie und brauchen sie für das, was wir in der nächsten Zeit stemmen wollen," sagte er.

680 000 Zuschauer können die Wende bringen

Große Hoffnungen setzt Dauer in den Film "Heartbreakers", den Advanced am 24. Mai mit dem Vertriebspartner UIP in die Kinos bringen will. Das Unternehmen hatte den Film co-finanziert und sich damit im Vorfeld weltweit eine 20-prozentige Gewinnbeteiligung gesichert. "Mit 680 000 bis 700 000 Zuschauern sind wir auf der positiven Seite," sagte Dauer. Den Angaben zufolge verliefen die Previews vor deutschem Publikum sehr erfolgreich. "Heartbreakers könnte schon die Hälfte des für 2001 geplanten Umsatzes bestreiten", sagte Dauer. Weitere Projekte in den Dimensionen von "Heartbreakers" gebe es 2001 nicht mehr.

Angaben zu den Zahlen des ersten Quartals sowie zum Gesamtjahr 2001 wollte Dauer nicht machen. Er sagte lediglich, die Zahlen des ersten Quartals seien "unspektakulär". Advanced habe nicht das Ziel, 2001 "großartige Zahlen" zu erreichen.

Teure Rechte billig verkauft

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 hatte Advanced einen Umsatz von 27,9 (1999: 64,8) Mill. DM erwirtschaftet. Aufgrund der erschwerten Marktbedingungen sei es zu einer "teilweisen Rückabwicklung" von in den Jahren 1999 und 2000 veräußerten Filmpaketen mit niedrigeren Erlösen und zu nachträglichen Preiszugeständnissen zu Lasten der Umsatzes gekommen. Der Umsatz vor Erlösschmälerungen habe 56,3 Mill. DM betragen. Der Konzernfehlbetrag habe sich 2000 auf 71,8 (plus 2,53) Mill. DM ausgeweitet. Die bereits im November 2000 nach unten korrigierten Planzahlen hätten einen Umsatz von 70 Mill. DM und einen Verlust von 20 Mill. DM vorgesehen. Die Verfehlung der Ziele hatte die Gesellschaft vor allem auf Verkaufsprobleme im TV-Lizenzhandel im deutschsprachigen Raum zurückgeführt. Die liquiden Mittel hätten sich Ende 2000 auf 22 Mill. DM belaufen.

Eugen Boss, Vorstandsmitglied der mit rund 25 % an der Gesellschaft beteiligten E-M New Media AG-S sagte, E-M-S besitze verschiedene Optionen, die teilweise bis zum Jahr 2003 reichten, ihren Anteil an Advanced auf deutlich über 40 % aufzustocken. "Advanced ist sicherlich noch ein interessantes Thema für uns. Eine Entscheidung hängt aber von der weiteren Entwicklung ab und davon, ob ein tragfähiges Geschäftsmodell vorgelegt wird, sagte Boss. E-m-s sei aber auch bereit, seinen Anteil an Advanced wieder abzugeben. "Wir sind offen, in jede Richtung zu diskutieren", sagte Boss.

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