Rechtliche Lage zwiespältig
Deutsche Forscher gegen allgemeines Klon-Verbot

Während sich Großbritannien anschickt, als weltweit erstes Land das Klonen von menschlichen Zellen zu erlauben, wird das Thema in Deutschland noch heftig diskutiert: Politiker beschwören Horrorszenarien wie "Menschenfabriken", Wissenschaftler verlangen dagegen den überwachten Import menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken

ap FRANKFURT/MAIN. Das britische Unterhaus hat mit seiner Entscheidung vom Dienstag unter anderem dem "therapeutischen Klonen" den Weg geebnet. Dabei werden Körperzellen von Patienten in eine zuvor entkernte Eizelle gepflanzt. Die so gewonnen embryonalen Stammzellen können zu Organen, Muskeln oder Nervenzellen heranwachsen. Der Vorteil: Die Bestandteile entsprechen genetisch zu hundert Prozent dem Patienten. Eine nachgezüchtete Niere würde also keinerlei Abwehrreaktionen hervorrufen.

In Deutschland ist die rechtliche Lage zwiespältig: Das Embryonen-Schutzgesetz aus dem Jahr 1990 verbietet die Züchtung von Embryonen, außer zur künstlichen Befruchtung. Doch der Import befruchteter Eizellen ist nach dem Gesetz nicht verboten. Dennoch hielten sich deutsche Forscher bislang zurück: "Zunächst müssen die ethischen Bestimmungen klar sein", sagt Otmar Wiesler, Neuropathologe aus Bonn.

Chancen und Risiken

Denn neben allen Chancen, die das Klonen von embryonalen Zellen bieten mag: Aus einer künstlich hergestellen embryonalen Stammzelle könnte theoretisch ein Mensch gezüchtet werden. "Es müssen strenge Grenzen definiert werden, wer zu welchem Zweck Embryonen klonen darf", fordert Wolfgang Müller-Klieser, Zellphysiologe und Vorsitzender der Berliner Gesellschaft für Zell- und Gewebezüchtung.

Zugleich verweisen viele Forscher auf die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Arbeit mit Embryonen: "Das therapeutische Klonen birgt ein enormes Potential", sagt Ulrich Martin, Molekularbiologe an der Medizinischen Hochschule Hannover. Wissenschaftler versprechen sich von der Methode unter anderem Heilungschancen für Krebskranke. "Es muss unbedingt vom allgemeinen Verbot abgerückt werden", fordert Müller-Klieser.

Auch Menschen, die an degenerativen Krankheiten wie Parkinson, aber auch an Querschnittslähmungen oder den Folgeerscheinungen eines Schlaganfalls leiden, soll mit dieser Methode geholfen werden. Zudem erhoffen sich die Forscher weitgehende Erkenntnisse über die Biologie der Zelle, die eines Tages sogar die Forschung an embryonalen Zellen selbst überflüssig machen könnten.



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