Rechtsanwalt: Dutzende Klagen werden folgen
Telekom auf Schadenersatz verklagt

Juristen werfen dem Konzern vor, bewusst falsche Angaben zum Wert seines Immobilienvermögens gemacht und dabei auch Tatsachen verschleiert oder verschwiegen zu haben. Die ersten Kleinaktionäre haben bereits Klage eingereicht.

vwd DÜSSELDORF. Die Deutsche Telekom AG, Bonn, ist in Zusammenhang mit der Bewertung ihrer Immobilien von zwei Kleinaktionären auf Schadenersatz verklagt worden.

Die Anwaltskanzlei Tilp & Kälberer aus Kirchentellinsfurt bei Tübingen teilte am Dienstag mit, sie habe sich im Namen eines Ehepaares wegen Haftungsansprüchen aus dem Börsenprospekt über die dritte Aktientranche der Telekom vom vorigen Sommer an die Kammer für Handelssachen beim Landgericht Frankfurt gewandt. Die Juristen werfen dem Konzern vor, bewusst falsche Angaben zum Wert seines Immobilienvermögens gemacht und dabei auch Tatsachen verschleiert oder verschwiegen zu haben.



Rechtsanwalt Peter A. Gundermann sagte, er schätze, dass noch einige Dutzend Klagen folgen werden. Der auf Kapitalanlegerecht spezialisierten Kanzlei lägen einige hundert Anfragen von Privatanlegern auf mögliche Schadenersatzforderungen vor. Die Telekom hatte kürzlich ihr Immobilienvermögen um zwei  Mrd. auf 15,2 Mrd Euro abgewertet, wodurch der Konzernüberschuss 2000 auf 5,9  Mrd. von 7,4 Mrd Euro sinkt. In der Klage wird der Konzern beschuldigt, in seinem Börsenprospekt nicht erwähnt zu haben, dass es innerhalb des Unternehmens erhebliche Uneinigkeit über die Methodik der Immobilienbewertung und die sich daraus ergebenden Werte gegeben habe.



Der Konzern habe verschwiegen, dass ihm Gutachten vorgelegen hätten, die sogar erheblich höhere Abwertungen bzw. Rückstellungen verlangt hätten. Verschleiert worden sei, dass nicht mehr betriebsnotwendiges Immobilienvermögen als noch betriebsnotwendig bilanziert worden sei. "Scheinnutzungen und Scheinvermietungen wurden nicht offen gelegt", so die Anwälte. Bei 230 Mill. emittierten Aktien aus der dritten Tranche und einem niedrigsten Ausgabekurs von 63,50 Euro berge die Schadenersatzklage für die Telekom ein Risiko in Milliardenhöhe.

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