Rechtsanwalt soll mit Medien gesprochen haben
Angeklagter zeigt eigenen Verteidiger an

Im Frankfurter El-Kaida-Prozess hat der 26-jährigen Angeklagte Aeurobui Beandali seinen Verteidiger Achim Groepper wegen Geheimnisverrats angezeigt.

wiwo/ap FRANKFURT. Außerdem beantragte er am Dienstag, Groepper als Verteidiger zu entpflichten. Der Frankfurter Rechtsanwalt habe gegen seinen ausdrücklichen Wunsch bereits vor dem Prozess mit Journalisten über die bevorstehende Aussage gesprochen. Nur so hätten Medien erfahren können, dass der Anschlag in Straßburg Ende 2000 nicht dem Weihnachtsmarkt, sondern der Synagoge gelten sollte.

Groepper nannte in einer ersten Stellungnahme die Vorwürfe "unhaltbar", Oberstaatsanwalt Volker Brinkmann sprach von "starkem Tobak". Beandalis zweiter Verteidiger Edgar Liebrucks verlas einen mehrseitigen Antrag, in dem es unter anderem hieß: "Er kann kein Gespräch mehr mit seinem Verteidiger führen, aus Angst, er lese am es nächsten Tag in irgendeinem Pressorgan."

Beandali habe Rechtsanwalt Groepper mehrfach "deutlich gemacht", kein Dritter dürfe etwas von dem wissen, was zwischen ihm und seinen Verteidigern besprochen wurde. Dieser habe aber dennoch "permanent" und trotz "massiver Vorhaltungen" Interviews gegeben und sich über die "berechtigten Interessen" seines Mandanten hinweggesetzt.

"Diese ausdrücklich untersagten Vorankündigungen hatten zu Spekulationen geführt, man werde etwas über das internationale Terrornetz El Kaida erfahren", erklärte Liebrucks. In der am zweiten Verhandlungstag verlesenen Erklärung Beandalis wurde eine Nähe zu Osama bin Ladens Terrororganisation aber ausdrücklich verneint. Liebrucks selbst erklärte, er sei noch nie in seiner jahrelangen Tätigkeit als Rechtsanwalt von einem Kollegen so "angelogen" worden.

31-jähriger Angeklagter vom Prozess ausgeschlossen

Bereits zu Beginn des vierten Verhandlungstages hatten die Richter den 31 Jahre alten Lamine Maroni "bis auf weiteres" vom Prozess ausgeschlossen. In der vergangenen Woche war bei dem Angeklagten eine halbe Einweg-Rasierklinge gefunden worden. Damit hatte der 31-Jährige den Worten des Senatsvorsitzenden Karlheinz Zeiher zufolge seine Kleidung zerstört. Er habe deshalb verfügt, dass Maroni vor seinem Transport zum Prozess auch durchsucht werden müsse. Da Maroni sich aber geweigert habe, sich auszuziehen, sei er in seine Zelle zurückgebracht worden.

Die Richter verzichteten auf eine Zwangsvorführung des Angeklagten, weil diese nur mit "körperlichem Zwang" möglich wäre und "das Verhalten des Angeklagten in schwerwiegender Weise den Ablauf des Verfahrens beeinträchtigen würde". Maroni war bereits zwei Mal von der Verhandlung ausgeschlossen worden, weil er Richter, Ankläger und Verteidiger unter anderem als Teufel, Schafe und Schlangen beschimpft hatte.

Den fünf angeklagten Algeriern wirft die Bundesanwaltschaft die Gründung einer terroristischen Vereinigung islamistischer Gotteskrieger vor. Sie sollen einen Anschlag auf einen großen Platz in Straßburg geplant haben. Bei ihrer Festnahme waren in zwei konspirativen Wohnungen in Frankfurt am Main unter anderen Utensilien zur Herstellung von Sprengstoff, Waffen sowie ein Videoband mit Aufnahmen des Straßburger Weihnachtsmarktes gefunden worden.

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