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Rechtschreib-Kritiker gründen „Rat für deutsche Rechtschreibung“

Unmittelbar vor offiziellen Vorbereitungen für den zwischenstaatlichen „Rat für deutsche Rechtschreibung“ in Wien haben Reformgegner in München ein gleichnamiges Gremium gegründet.

dpa HAMBURG. Unmittelbar vor offiziellen Vorbereitungen für den zwischenstaatlichen "Rat für deutsche Rechtschreibung" in Wien haben Reformgegner in München ein gleichnamiges Gremium gegründet.

Der Verein will sich für die Wiederherstellung der Rechtschreibung einsetzen, wie sie vor der Reform üblich war, teilte das Gremium am Sonntag mit. Zum Vorsitzenden wurde der Münchner Autor und Publizist Hans Krieger gewählt. Ehrenmitglieder sind unter anderem die Schriftsteller Elfriede Jelinek, Wulf Kirsten, Günter Kunert und Reiner Kunze.

Verwaltungsbeamte aus den deutschsprachigen Ländern beraten an diesem Montag in Wien über die Gründung und Zusammensetzung des "Rates für deutsche Rechtschreibung". Das Gremium soll 2005 die bisherige "Zwischenstaatliche Kommission" ablösen, die in den vergangenen Jahren die Umsetzung der Rechtschreibreform in ihren Ländern begleitete.

Die Vertreter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz würden "ausschließlich über die Zusammensetzung und die Aufgaben des künftigen Rates beraten und unsere Empfehlungen dann den zuständigen Stellen vorlegen", betonte der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK), Erich Thies. Er leitet die deutsche Delegation. Der Rat, in dem auch Reformkritiker zu Wort kommen sollen, soll die Schreibweisen in der Praxis weiter beobachten und gegebenenfalls nachbessern.

Die Gründungsversammlung des Kritiker-Rats in München sprach den Kultusministern das Recht ab, "eine weitere Rechtschreibkommission zu berufen, deren einzige Aufgabe es sein kann, das offenkundige Scheitern der Rechtschreibreform hinauszuzögern". Zu den Gründungsmitgliedern zählen auch der als Rechtschreibrebell bekannt gewordene Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk, der Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren in Wien, Gerhard Ruiss, und der Schweizer Gymnasiallehrer Stefan Stirnemann.

Bei einer Umfrage unter den Ministerpräsidenten hätten sich nur Niedersachsen, das Saarland und Sachsen-Anhalt gegen die weitere Umsetzung der Reform nach dem bisherigen Plan ausgesprochen, berichtete das Magazin "Focus". Die KMK hatte beschlossen, dass nach sechs Jahren Übergangszeit die neuen Regeln vom 1. August 2005 in Schulen und Ämtern verbindlich gelten.

Die Ministerpräsidenten der Länder wollen am 7. und 8. Oktober in Berlin zusammenkommen und darüber beraten, ob sie an dem Zeitplan festhalten wollen. Die Kultusminister treffen sich am 14. und 15. Oktober im Saarland. Auch eine Verlängerung der Übergangsfrist ist nach den geltenden Beschlüssen möglich.

Nach Ansicht des Leipziger Forschers Harald Marx haben die neuen Schreibweisen negative Auswirkungen auf die Rechtschreibleistung. Wie der Professor am Institut für Pädagogische Psychologie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte, hätten seine Untersuchungen vor und nach der Reform gezeigt, dass es bei "ss" und "ß" teilweise sogar mehr Fehler als vorher gebe. Österreichische Autoren forderten unterdessen einen Ausstieg aus der "Zwischenstaatlichen Kommission". Stattdessen solle Österreich ein eigenes "österreichisches Deutsch" schaffen und für die "deutsche Rechtschreibreform" keinerlei Geld mehr zur Verfügung stellen.

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