Rechtspopulismus in Österreich am Ende?
Aufstieg und Fall: Haider wirft das Handtuch

Der Aufstieg war über eineinhalb Jahrzehnte triumphal, das Ende brutal. Jörg Haider, der erfolgreichste Rechtspopulist Europas und der umstrittenste Politiker Österreichs, gibt nach dem Wahldebakel seiner Freiheitlichen (FPÖ) bei den Parlamentswahlen auf.

HB/dpa WIEN. Der tiefe Sturz seiner Partei, die er allein groß gemacht hatte, von knapp 27 auf gut 10 % hat dem stets als Strahlemann auftretenden Haider sichtbar zugesetzt. "Ein fürchterliches Ergebnis", diagnostizierte er sichtlich niedergeschmettert am Montag. "Mein Bedarf an Politik ist absolut gedeckt!"

Haider kam offenbar mit seinem Rücktritt als Kärntener Landeshauptmann einem Aufstand in der eigenen Partei zuvor. Am Montag hatte die von Haider als FPÖ-Chefin gestürzte Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer erstmals offen ausgesprochen, was inzwischen viele in der Partei dachten. "Haider wollte es ja so haben. Es hat 13 Jahre gebraucht, um alles aufzubauen, und wahrscheinlich nur 13 Wochen, um alles zu zerstören", analysierte die Politikerin schonungslos die Rolle Haiders beim regelrechten Zerfall der FPÖ.

Einige österreichische Psychiater haben die Motive für Haiders Zerstörungswerk ganz ähnlich zu ergründen versucht. Der "teamunfähige Egomane" habe nicht aushalten können, dass ihm seine erfolgreichen Zöglinge den politischen Rang abgelaufen hatten. So hatten sich die FPÖ-Politiker Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und der Fraktionschef Peter Westenthaler in der Bevölkerung Anerkennung erarbeiten können, während Haider als "Provinzfürst" sein Leben fristete. Beim eigenen Sturz in die bundespolitische Bedeutungslosigkeit habe er die FPÖ als "sein Baby" mitreißen müssen, so die Analyse.

Den 52-jährigen Ausnahmepolitiker mit dem traumhaft sicheren Gespür für Wünsche, Anliegen und Sehnsüchte der Bürger hatte zuletzt offenbar sein legendärer politischer Instinkt verlassen. Viele heimische Kommentatoren meinten auch, er habe seine wirkliche Größe und Einflusskraft bei weitem überschätzt. Der stets modisch gestylte und braun gebrannte Porsche-Fahrer, der selbst immer prächtig austeilen konnte, zeigte sich gegenüber jeder Kritik zuletzt merkwürdig dünnhäutig. Er brachte sogar krause Verschwörungstheorien und Bedrohungsszenarien gegen ihn und seine Familie ins Spiel.

Nachdem der begnadete Volkstribun die traditionelle Große Koalition aus Sozialdemokraten (SPÖ) und Volkspartei (ÖVP) mit immer neuen Wahlsiegen beendet und die FPÖ in die Regierung mit der ÖVP geführt hatte, stand er im Zenit seiner Politikerlaufbahn. "Mein Lebenswerk ist vollbracht", hatte er damals gejubelt. "Ich habe das schwarz-rote Machtkartell geknackt." Nicht einmal drei Jahre später hat er die von ihm mitbegründete Bundesregierung gesprengt und seine Partei dahin geführt, wo er sie 1986 übernommen hatte. "Der populistische Spuk, so scheint's, ist vorbei", beschrieben die "Salzburger Nachrichten" am Montag Haiders Abgang.

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