Rechtsradikale aber nicht im Visier
Westerwelle will um DVU-Wähler werben

FDP-Chef Guido Westerwelle hat bekräftigt, dass sich seine Partei auch um Wähler etwa der rechtsextremen DVU bemühen wird. Zudem stellte sich Westerwelle auch nach Rücktrittsforderungen gegen Jürgen Möllemann hinter seinen Stellvertreter.

rtr BERLIN. "Uns ist jeder willkommen, der seinen Frust in konstruktives politisches Verhalten umsetzen will", sagte Westerwelle dem Magazin "stern" einem Vorabbericht vom Mittwoch zufolge. "Der Protest gegen das etablierte Parteiensystem kommt nicht von rechtsaußen, sondern ist der Protest aus der breiten Mitte. Ihm bieten wir eine neue demokratische Heimat", fügte der FDP-Kanzlerkandidat hinzu. Wähler von der PDS oder der DVU hätten früher nicht zwangsläufig mit rechtsradikaler oder kommunistischer Gesinnung so entschieden, sondern weil ihr Frust ein Ventil gesucht habe. "Wenn wir verhindern wollen, dass Figuren wie Le Pen (in Frankreich) oder Haider (in Österreich) bei uns Erfolg haben, dann müssen sich die demokratischen Parteien erneuern. Wir tun es jedenfalls", sagte Westerwelle. Vor einigen Tagen hatte Westerwelle bereits gesagt, seine Partei wolle sich auch um Wähler bemühen, die die Republikaner gewählt hätten. Auf die Stimmen von Rechtsradikalen könne die FDP aber verzichten, hatte er hinzugefügt.

Auf die Frage, ob er sich nicht besser von Möllemann trennen sollte, weil dieser sich nicht bei dem Zentrat der Juden entschuldigt habe, antwortete Westerwelle dem Vorabbericht vom Mittwoch zufolge: "Ich stehe zu Jürgen Möllemann trotz dieses Fehlers." Zu der Debatte, ob die FDP noch ein Koalitionspartner etwa für die SPD um Bundeskanzler Gerhard Schröder sein könne, sagte Westerwelle: "Schröder bleibt für uns ein möglicher Koalitionspartner und wir für ihn garantiert auch." Schröder hatte das Vorgehen der FDP in der Antisemtismus-Debatte scharf kritisiert und als schädlich für das Ansehenen Deutschlands bezeichnet.

Der stellvertretende FDP-Parteichef Jürgen Möllemann hatte unter anderem dem stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, vorgeworfen, mitverantwortlich für Antisemtismus zu sein. Zudem hatte Möllemann gegen den Willen von Westerwelle durchgesetzt, dass der Politiker Jamal Karsli weiter in der FDP-Landtagsfraktion von Nordrhein-Westfalen mitarbeitet. Karsli hatte dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon wegen dessen Palästinenser-Politik "Nazi-Methoden" vorgeworfen.

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