Rechtzeitig umschichten
Der Chef spart mit

Bei der Anlage von Vermögenswirksamen Leistungen bleiben Fonds beliebt. Zu Recht: In der Vergangenheit brachten sie eine stattliche Rendite.

Seit drei Jahren gibt es für Vermögenswirksame Leistungen (VL) zusätzliche staatliche Förderung. Sparer, die ihre VL in Investmentfonds oder Beteiligungen - so genanntes Produktivvermögen - fließen lassen und bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten, können eine höhere Arbeitnehmersparzulage bekommen (siehe Kasten unten). Dennoch spielen VL-Zahlungen oft nur eine untergeordnete Rolle, zumindest in den Tarifverhandlungen. "In den vergangenen Jahren ist die Höhe der gezahlten VL stabil geblieben", sagt Werner Rieck vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

"Durch den zusätzlichen Förderkorb konnten dennoch die Anlagen in Wertpapier-Beteiligungen ausgeweitet werden - ohne dass das zu Lasten der alternativen Form des Bausparens ging", sagt Wolfgang Münch vom Bundesarbeitsministerium. So habe sich die Zahl der VL-Depots bei Investmentgesellschaften bis zum Jahresende 2001 von 2,3 auf 5 Millionen mehr als verdoppelt. "Offensichtlich lassen sich zahlreiche Arbeitnehmer zusätzliche VL vom Lohn abziehen und steuern die Beiträge aus eigener Tasche bei, um die maximale staatliche Förderung zu erhalten", erklärt Dirk Degenhardt, Produktmanager von der DGZ-Dekabank.

VL-Sparen hat sich in der Vergangenheit gelohnt

"VL-Sparen hat sich in der Vergangenheit in den meisten Fällen außerordentlich gelohnt", sagt Carsten Krüger vom Bundesverband der deutschen Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften (BVI). Während Bank- und Bausparverträge eine vergleichsweise geringere Rendite eintrugen, konnten Fondssparer durchschnittlich 9,04 Prozent jährliche Wertsteigerung erzielen. Das errechnete der BVI für Aktienfonds mit siebenjähriger Vertragsdauer. Dazu kommt - in bestimmten Einkommensgrenzen - die staatliche Förderung. Wer Anspruch auf Arbeitnehmersparzulage hatte, erwirtschaftete durchschnittlich 11,89 Prozent.

Ein Arbeitnehmer, der von 1994 an sechs Jahre lang 78 DM (ca. 40 Euro) in einen Fonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland eingezahlt und das Geld ein weiteres Jahr ruhen lassen hat, bekam im Jahre 2000 immerhin 10 764 DM (ca. 5 504 Euro) ausgezahlt. Das entspricht einem jährlichen Plus von 16,41 Prozent. Es gab aber auch schwächere Perioden. Ein Fondssparvertrag mit Laufzeit von 1986 bis 1992 kam gerade mal auf 0,63 Prozent.

Wird der Vertrag in einem schwachen Börsenjahr fällig und das Geld dann nicht benötigt, bleibt aber noch die Möglichkeit, die Fondsanteile weiter zu behalten, bis sich die Börsen erholt haben. "Wenn fünf oder sechs VL-Verträge hintereinander bespart werden und nicht ausgezahlt werden, sondern die Fondsanteile stehen bleiben, reicht das, wenn man die Wertentwicklung der vergangenen Jahre unterstellt, fast schon aus, um einen Großteil der Versorgungslücke zu schließen", sagt Degenhardt.

Die Erfahrungen aber zeigten, dass fast 70 Prozent der VL-Verträge innerhalb weniger Jahre nach Fälligkeit zu Konsumzwecken ausgezahlt würden. Wer die VL-Verträge als Beitrag für die Altersvorsorge einplant, solle allerdings spätestens fünf Jahre vor Eintritt in das Rentenalter das bis dahin angesparte Kapital gegen Kursschwankungen an den Aktienmärkten absichern und in risikoärmere Anlageformen wie beispielsweise Rentenfonds oder Immobilienfonds umschichten.

Viele Fonds kommen in Frage

In den vergangenen drei Jahren - seit Novellierung der staatlichen Förderung - entwickelten sich VL-Fonds mit internationalem Anlageschwerpunkt überdurchschnittlich gut. Am besten schnitten zwei Fonds der Gesellschaft DWS ab. Sie werden von Klaus Kaldemorgen gemanagt, der jüngst mit dem Fundaward von DMEuro und Standard & Poor?s ausgezeichnet wurde (mehr unter www.dmeuro.com/fondsawards). Obwohl sich europäisch orientierte Fonds zuletzt schwächer entwickelten, schätzt Fondsmanagerin Heike Fornefett von Zürich Invest das Umfeld für Euroland günstig ein: "Europa ist besser als sein Ruf. Insbesondere der Euro ist ein Katalysator für den Strukturwandel." Fornefett favorisiert zurzeit die Sektoren Pharma, Medizintechnik, Dienstleistungen, Versicherer und ausgewählte Technologie-Aktien für ihren Fonds "Aktien Euroland".

Theoretisch kommen sehr viele Investmentfonds für die VL-Anlage in Frage. Meistens werden jedoch von den Gesellschaften aktiv nur einige wenige für VL-Sparpläne angeboten. Wer mit der Auswahl unzufrieden ist, kann zumindest bei der Gesellschaft anfragen, ob zusätzliche Fonds für VL bespart werden können. "Zum Vermögensaufbau eignen sich besonders Fonds mit soliden Standardwerten", sagt Christian Lienke von Union Investment. Fonds, die in exotischeren Ländern oder Branchen anlegten, seien dagegen lediglich geeignet, wenn das Vermögen des Anlegers breit gestreut und das Risiko hoher Schwankungen des Fonds somit abgefedert sei.

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