Rede an die Nation
Bush bittet Hollywood um patriotische Hilfe

Rund einen Monat nach Beginn des Afghanistan-Kriegs hat US-Präsident George W. Bush seine Landsleute aufgerufen, mit derselben Entschlossenheit wie nach den Anschlägen vom 11. September den Kampf gegen den Terrorismus fortzusetzen.

afp/dpa/rtr ATLANTA/WASHINGTON. "Unsere große nationale Herausforderung ist es, die Terroristen zur Strecke zu bringen und unseren Schutz vor künftigen Angriffen zu verstärken", sagte Bush am Donnerstagabend in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) in einer stark patriotischen Rede. Bush sprach von einer "großen nationalen Chance, das Gute zu erhalten, das sich daraus ergeben hat". Die Tragödie erneuere "unsere starken Werte," unterstrich der Präsident unter dem Applaus von rund 5000 Zuhörern im World Congress Center von Georgia.

Unterdessen meldete der Nachrichtensender CNN in der Nacht zum Freitag neue Bombenangriffe auf Ziele der Taliban in und um die südafghanische Stadt Kandahar. Am Donnerstag war von heftigen Kämpfen zwischen der oppositionellen Nordallianz und den Taliban in der Nähe der Stadt Masar-i-Scharif berichtet worden. Die Taliban hatten jedoch Berichte über einen erfolgreichen Vorstoß der Nordallianz bis kurz vor die strategisch wichtige Stadt zurückgewiesen. Führende US- Militärs sagten dem Fernsehsender CBS, sie hofften in Kürze Luftwaffenstützpunkte in Tadschikistan nutzen zu können. Die dann verkürzte Anflugszeit zum Kampfgebiet würde eine größere Anzahl von Einsätzen ermöglichen.

Rund zwei Monate nach den Terrorangriffen rief der Präsident die Menschen dazu auf, ihr normales Leben zu führen, sich nicht einschüchtern zu lassen, dabei jedoch wachsam zu bleiben: "Wir sind heute ein anderes Land, als wir es am 10. September waren - trauriger und weniger unschuldig; stärker und vereinter und angesichts der anhaltenden Drohungen entschlossen und mutiger". Nach seinen Worten unternimmt die Regierung ihr Möglichstes, um neue Terroranschläge zu vereiteln. Gleichzeitig aber räumte er ein, dass es bei der Suche nach den Verantwortlichen für die Milzbrand-Anschläge keine großen Fortschritte gebe. Weder sei die Herkunft der Anthrax-Erreger bekannt noch die Urheber der Anschläge, - doch wer immer dahinter stehe, sei ein "Terrorist".

Ohne weiter auf den Krieg gegen den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden und seine Taliban-Verbündeten einzugehen, zeigte sich Bush optimistisch über dessen Ausgang: Niemand könne im Voraus alle Wendungen in dem Kampf vorhersagen, "doch wissen wir, dass unsere Sache gerecht ist und wir letzten Endes siegen werden". In Afghanistan stünden die USA mit ihren militärischen Operationen erst am Anfang, sagte der Präsident und warb um Ausdauer und Geduld.

Bush rief die Amerikaner dazu auf, sich an einer neuen Form der Bürgerwehr zu beteiligen, um - nach dem Vorbild der freiwilligen Feuerwehr - auszuhelfen, wenn in Notsituationen nicht genügend Kräfte zur Verfügung stehen. Sie sollten sich als "Freiwillige des 11. September" zum Dienst in Krankenhäusern, bei der Feuerwehr und im Katastrophenschutz melden. "Wir befinden uns in einer neuen Ära. Diese neue Ära erfordert neue Verantwortung - von der Regierung und von unserem Volk", sagte Bush.

Die halbstündige Rede des Präsidenten wurde immer wieder von lautem Applaus unterbrochen. Die meisten Kabelsender übertrugen seine Ansprache life ebenso wie der katarische Fernsehsehnder El Dschasira. Einige der großen Networks hielten dagegen an ihrem normalen Abendprogramm fest.

Vor der Ansprache hatte der Präsident die Zentrale der Gesundheitsbehörde Center for Disease Control (CDC) in Atlanta besucht. Dabei äußerte er sich eher zurückhaltend zu Plänen, Pflichtimpfungen gegen Pocken einzuführen. Seine Sorge sei es, dass ein solches Impfprogramm selber Opfer fordern könnte, sagte er.

Treffen mit ausländischen Politikern

In seiner Serie von Treffen mit ausländischen Politikern sprach Bush am Donnerstag in Washington mit dem brasilianischen Präsidenten Fernando Henrique Cardoso und dem irischen Premierminister Bertie Ahern. Beide sicherten Bush ihre Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu. Cardoso unterstrich besonders die Bereitschaft zum Austausch von Informationen über verdächtige Finanztransfers. Ahern sagte, Bush sei sich der Sorge in Europa über "humanitäre Aspekte" der Bombardierung afghanischer Ziele sehr bewusst und tue alles dafür, dass die afghanische Zivilisten Hilfe erhielten.

Amerikanische Kampfjets fingen am Donnerstag aus Sorge um mögliche Anschläge zwei kleine Privatmaschinen ab und begleiteten sie zu Flughäfen. Im Bundesstaat Florida zwangen zwei Jets ein einmotoriges Flugzeug mit einem Flugschüler aus Angola zur Landung. Über Salt Lake City im Bundesstaat Utah hatte ein Flugzeug mit Prominenz der Fernsehgesellschaft NBC den Funkkontakt verloren und sich auffällig verhalten.

Bush holt sich im Propagadakrieg Hilfe aus Hollywood

Für seine Kampagne gegen den Terrorismus setzt US-Präsident George W. Bush nun auf besonders erfahrene Spezialeinheiten. Wie sein Sprecher Ari Fleischer am Donnerstag mitteilte, wird Bushs politischer Berater Karl Rove am Sonntag nach Hollywood reisen und dort mit Vertretern der "größten Filmstudios - wenn nicht aller Studios" zusammenkommen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Rove die Unterhaltungsbranche für den Propagandakrieg anwerben werde. Dabei gehe es vor allem darum, wie die wichtigsten Themen der Kampagne - "Toleranz, Mut und Patriotismus" - im In- und Ausland verbreitet werden könnten. Die Regierung setzte bereits in der Vergangenheit auf Hollywood für Werbekampagnen gegen Drogen und Alkohol am Steuer: "Das Weiße Haus hat großen Respekt vor der Kreativität der Branche und ihrer Fähigkeit, die Leute zu erziehen", betonte Fleischer.

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