Rede bei einer Veranstaltung in Kalifornien: Greenspan: Auswirkungen des Irak-Kriegs noch offen

Rede bei einer Veranstaltung in Kalifornien
Greenspan: Auswirkungen des Irak-Kriegs noch offen

Die vollen Auswirkungen des Irak-Kriegs auf die US-Wirtschaft lassen sich laut US-Notenbankchef Alan Greenspan erst nach Beendigung des Konflikts abschätzen.

Reuters SIMI VALLEY/CHICAGO. Greenspan sagte am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Ronald Reagan Presidential Library im kalifornischen Simi Valley: "Wir werden nicht wissen, was das volle Ausmaß dieses Krieges ist, bis er vorbei ist." Der Zerfall der Macht der Regierung von Präsidenten Sadam Hussein sei jedoch ein positives Signal: "Wir müssen noch einen langen Weg gehen, aber die Tatsache, dass Saddam Hussein nicht länger an der Macht ist, wird über die Wochen und Monate einen deutlichen Gewinn für die gesamte Welt bedeuten." Nach Einschätzung der Chefvolkswirtin des privaten US-Wirtschaftsforschungsinstituts Conference Board dürften die Folgen des aktuellen Irak-Krieges im Vergleich zum Golfkrieg 1991 allerdings eher gering ausfallen.

Greenspan sagte, der jüngste Anstieg der Aktienkurse und der Rückgang bei den Ölpreisen sei ein Zeichen dafür, dass die Finanzmärkte die im Vorfeld des Irak-Kriegs aufgebaute Risiko-Prämie wieder abbauten. Eine Deflations-Gefahr wie in Japan sehe er für die USA nicht. Falls sich solche Anzeichen zeigen sollten, sei die Notenbank bereit zu handeln.

Vertreter der Fed hatten in jüngster Zeit mehrfach eine derartige Bereitschaft angedeutet. Die Leitzinsen befinden sich in den USA mit 1,25 Prozent bereits auf dem niedrigsten Stand seit mehr als vierzig Jahren. Die Fed hat seit 2001 die Zinsen bereits zwölf Mal gesenkt.

Sowohl in seiner Rede als auch in der Fragerunde wiederholte Greenspan seine Einschätzung, dass sich die US-Wirtschaft trotz der heftigen Einschnitte der vergangenen Jahre als relativ widerstandsfähig erwiesen habe. Er verwies dabei auf den Einbruch an den Aktienmärkten, die Anschläge vom 11. September 2001 und die Bilanzskandale des vergangenen Jahres. "Wir haben all diese Schocks abgefangen, die meiner Erfahrung nach vor 30 Jahren eine erhebliche Schrumpfung der wirtschaftlichen Aktivität mit sich gebracht hätten", sagte Greenspan, der im Jahr 1987 durch den damaligen Präsidenten Ronald Reagan als Chef der Notenbank eingesetzt wurde.

"Anschlagrisiko könnte sich erhöhen"

Gail Fosler, Chefvolkswirtin des Conference Board, schätzte die Auswirkungen des Krieges am Mittwoch als eher geringer ein als in früheren Zeiten. Anders als beim Golfkrieg 1991 habe der jetzige Krieg zu einer Zeit begonnen, in der die US-Wirtschaft Anzeichen der Erholung gezeigt habe. Diese Faktoren seien weiterhin vorhanden, sagte sie in einer Ansprache vor dem Union League Club von Chicago. Außerdem profitiere die Wirtschaft nun von den niedrigen Leitzinsen, die dem Verbraucher das Geldausgeben erleichtere. Allerdings schränkte Fosler ein, dass sich nun das Risiko vor Anschlägen erhöhen könnte und dieser Einfluss auf die Konjunktur nicht berechenbar sei.

Verschiedene Wirtschaftsexperten hatten sich in der Vergangenheit besorgt über die Lage der US-Konjunktur geäußert.

Der Fed-Chef von Chicago, Michael Moskow, hatte die weltpolitische Lage für die wirtschaftliche Schwäche verantwortlich gemacht. Auch die Fed-Chefin von Boston, Cathy Minehan, sagte, die Wirtschaft habe sich abgeschwächt und es gebe beträchtliche Risiken im Zusammenhang mit dem Krieg.

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