Rede zur Wirtschaftskrise
Obama will Bankenaufsicht stärken

Die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten richten ihren Wahlkampf stärker auf Amerikas Wirtschaftskrise aus: Bei einem Auftritt in New York hat sich Barack Obama für mehr staatliche Kontrolle der Finanzmärkte ausgesprochen.

NEW YORK. Barack Obama setzt bei der Bekämpfung der US-Wirtschaftskrise auf den Staat: Bei einem Auftritt in New York forderte er eine strengere staatliche Aufsicht über Banken und Finanzmärkte. Bei seiner Rede mit deutlichen populistischen Untertönen wurde er von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg vorgestellt.

Obama schlug ein weiteres Konjunkturpaket im Wert von 30 Milliarden Dollar vor. „Demokratische und republikanische Regierungen haben eine Wirtschaftspraxis zugelassen, die finanzielle Manipulationen belohnt“, sagte Obama. Das Ergebnis sei ein verzerrter Markt, der für „Blasen und nicht für ein stetiges, nachhaltiges Wachstum sorgt“. Kurzfristig profitiere die Wall Street davon zu Lasten der normalen Bürger, doch „langfristig leiden beide Seiten“.

Obama, der im Rennen um die Delegiertenstimmen der Demokraten knapp vor Hillary Clinton führt, wurde bei seiner Rede von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg eingeführt, der erst kürzlich seine Kandidatur als Unabhängiger aufgegeben hatte und sich im Zweikampf der Demokraten bislang neutral verhalten hatte.

Die US-Wirtschaft befindet sich nach Meinung der meisten Bürger bereits in einer Rezession. Tatsächlich wuchs die größte Volkswirtschaft der Welt im letzten Quartal 2007 nur noch um 0,6 Prozent, bestätigte das US-Handelsministerium. Die sich ausweitende Immobilien- und Finanzkrise zieht immer weitere Kreis und dürfte bei der Präsidentschaftswahl am 4. November den Demokraten weiteren Aufwind verleihen.

Der Kandidat der Republikaner, John McCain hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, von der Wirtschaft nicht so viel zu verstehen „wie ich sollte“. Gegenüber weiteren Staatseingriffen hatte er sich jedoch skeptisch gezeigt.

Dagegen nutzt Clinton jede Gelegenheit, ihre Wirtschaftskompetenz und guten persönlichen Verbindungen zu Notenbankchef Ben Bernanke herauszustreichen. Sie wollte gestern ein Umschulungsprogramm vorstellen, das über fünf Jahre hinweg mit 12,5 Milliarden Dollar dotiert ist. Ähnlich wie Obama plädiert sie für eine strenger Finanzaufsicht und weitere Hilfe für überschuldete Hausbesitzer. Außerdem will sie eine Kommission mit namhaften Mitgliedern wie den früheren Notenbankchefs Alan Greenspan und Paul Volcker berufen, die entscheiden soll, ob ein solches Eingreifen des Staates hilfreich wäre.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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