Redigierte fassung kommende Woche fertig
Arbeitskopie von Iraks Waffendossier auch für Berlin

Als künftiges Mitglied des Weltsicherheitsrates wird Deutschland wird aller Voraussicht nach schon in der kommenden Woche eine Arbeitskopie der irakischen Waffendeklaration erhalten. UN-Chefinspekteur Hans Blix hofft, die redigierte Version des 12 000 Seiten umfassenden Dossiers Anfang nächster Woche - "im besten Fall am Montag" - fertig zu haben.

HB/dpa NEW YORK/WASHINGTON. UN-Diplomaten gehen davon aus, dass dann auch die fünf Länder, die am 1. Januar 2003 einen Sitz übernehmen, in den Kreis der Empfänger eingeschlossen werden. Die so genannte Arbeitsversion wird vor allem um jegliche Angaben zur Produktion von Atomwaffen bereinigt.

Die fünf Veto-Mächte des Sicherheitsrates und Nuklearstaaten, USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China, hatten bereits am Montag vollständige Kopien des irakischen Waffendossiers erhalten. Am selben Tag kursierte auch die umfangreiche Inhaltsliste der Deklaration am UN-Hauptsitz in New York. Danach enthält das Dokument detaillierte Angaben über Iraks Programme zur Herstellung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen sowie von ballistischen Trägerraketen.

Laut Blix werden die 15 Fachleute seiner UN-Abrüstungskommission UNMOVIC in New York sich diese Woche darauf konzentrieren, die nuklearen Daten von den Angaben über biologische und chemische Waffen zu trennen. Der UNMOVIC-Chef glaubt, dass dieses Team bis zum Wochenende nicht mehr als 3 000 der 12 000 Seiten prüfen kann. Rund 2000 Seiten enthalten Informationen über nukleare Waffen. Etwa 500 Seiten müssen noch aus dem Arabischen ins Englische übersetzt werden.

Als "lächerlich" hat die US-Regierung den jüngsten Vorwurf des Iraks zurückgewiesen, die USA wollten die den UN zugeleiteten irakischen Waffen-Unterlagen manipulieren, um einen Vorwand für einen Angriff zu finden. Mit dieser Behauptung setze Bagdad seine Art des "Dialogs" aus den neunziger Jahren fort, mit der alles verurteilt werde, was die Welt und die Vereinten Nationen täten, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, am Dienstag.

Wie Fleischer weiter sagte, sind Experten der US-Regierung dabei, die irakischen Unterlagen sorgfältig zu studieren. Wegen des Umfangs der Papiere stehe man erst am Anfang des Prozesses, der noch eine beachtliche Zeitspanne in Anspruch nehmen werde. Es werde noch "einige Tage mehr" dauern, bis die USA ein Urteil abgeben würden. Die Regierung wolle die Unterlagen in ihrer Gesamtheit studieren, und daher seien auch keine "schrittweisen" Reaktionen auf die irakischen Angaben zu erwarten.

"Was immer die angemessene Zeit (für das Prüfen der Unterlagen) ist, so viel Zeit werden wir uns nehmen", sagte der Sprecher. Die USA wollten sorgfältig und überlegt vorgehen um sicherzustellen, "dass wir gründlich und völlig verstehen, was der Irak vorgibt zu erklären und was er an Offenlegung versäumt."

Ein Team der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) fuhr am Dienstag zur El-Qaim-Phosphorfabrik nahe der syrischen Grenze. Nach UN-Angaben sollen die Inspekteure dort bis Donnerstag arbeiten und auch übernachten, da die Anlage 420 Kilometer von Bagdad entfernt liegt. Weitere IAEO-Teams besuchten unter anderem eine Zementfabrik, eine Chemiefabrik und eine Anlage der Rüstungsindustrie. Dem Atomreaktor in El Tuwaitha statteten die IAEO-Experten bereits den vierten Besuch ab. Die UN-Waffenkontrollkommission (UNMOVIC) durchsuchte unterdessen ein Tierimpfstofflabor und das Saddam-Zentrum für Biotechnologie in einem Vorort von Bagdad.

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