Redmonder müssen Kartellverfahren abwarten
Microsoft legt Projekt „Hagelsturm“ auf Eis

Das Interesse an der zweiten Runde im Kartellverfahren mit der Erwartung turbulent verlaufener Zeugenvernehmungen kommt Microsoft vielleicht gerade recht, um von einer anderen Entscheidung abzulenken, die Firmenlenker Steve Ballmer und Bill Gates wohl nur ungern getroffen haben. Das vor einem Jahr groß angekündigte Projekt "Hailstorm" (Hagelsturm) findet offensichtlich so viel Widerstand, dass das Softwarehaus aus Redmond dieses Vorhaben zumindest offiziell vorerst nicht weiter verfolgen will.

sgr DÜSSELDORF. Bei Hailstorm handelt es sich um eine umfassende Datenbank, in der Informationen über Kunden zentral gespeichert werden sollen, um sie zu einem zentralen Bestandteil der Dotnet-Initiative zu machen. Die Idee: Die Identität eines Internet-Anwenders wird als wichtige Voraussetzung für personalisierte Web-Dienste gesehen.

Während Microsoft offiziell noch mit dem Hinweis abwimmelt, dass man zunächst die unterschiedlichen Interessen an den Dotnet-Services, Microsofts Internet-Konzept, überprüfen müsse, will offensichtlich doch niemand, dass derart viele und sensible Daten bei der Gates- Company zentral vorgehalten werden. Zu den größten Kritikern von Hailstorm gehört - natürlich - Sun Microsystems, die das Konkurrenzprojekt "Liberty Alliance" vorantreiben. American Express beispielsweise, zunächst von dem Microsoft-Projekt sehr angetan, hat sich inzwischen distanziert.

Weil Microsoft Hailstrom unbedingt braucht, wie Analysten meinen, werde man das Projekt wohl keinesfalls komplett aufgeben, sondern erst einmal den weiteren Verlauf des Kartellprozesses abwarten. Das Vorhaben, der größte Verwalter von Kundendaten zu werden, sei lediglich auf Eis gelegt worden.

Die Marktforscher der Gartner Group schlagen indes vor, Microsoft solle nach Beendigung des Kartellverfahrens lieber auf Einkaufstour gehen. Nach der gerichtlichen Auseinandersetzung werde Microsoft über rund 38 Mrd. $ in der Kriegskasse haben. Zwar haben die Redmonder bereits über 60 Firmen in den vergangenen zehn Jahren akquiriert, dabei jedoch nie mehr als 1,7 Mrd. $ ausgegeben. Die letzte größere Übernahme fand im Dezember 2000 mit Great Plains für 1,1 Mrd. $ statt.

Gartner gibt einige Tipps: So hat Microsoft einen Nachholbedarf auf den Gebieten IT-Dienstleistung, Workload-Management (Tools, die der Lastverteilung von IT-Anlagen dienen), Sicherheit, Speicherverwaltung und Medien.

Quelle: Handelsblatt

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