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Reed und Thomson kaufen Lehrbuch-Verlag Harcourt

rtr LONDON. Das britisch-niederländische Verlagshaus Reed Elsevier und sein kanadischer Konkurrent Thomson haben das Übernahme-Rennen um den US-Lehrbücher-Verlag Harcourt gewonnen. Reed teilte am Freitag in London mit, die Versteigerung mit einem Angebot von 4,5 Mrd. $ (rund 10,5 Mrd. DM) für sich entschieden zu haben. Reed will eigenen Angaben zufolge für jede Harcourt-Aktie 59 $ in bar bezahlen und damit auch die 1,2 Mrd. $ Schulden des US-Konzerns übernehmen. Nach Abschluss der Übernahme werde ein großer Teil der Harcourt-Geschäfte für 2,06 Mrd. $ an Thomson weiter verkauft. Analysten beurteilten den Preis als günstig.

Nach Angaben von Reed sollen die vier Haupt-Abteilungen von Harcourt unter den Käufern aufgeteilt werden. Reed werde von Harcourt die Sparte wissenschaftliche, medizinische und technische Literatur behalten und damit seine Position als weltweit führender Wissenschaftsverlag ausbauen. Außerdem solle das Schulbücher-Geschäft der Kanadier bei Reed verbleiben. Thomson werde unter anderem die Abteilungen Universitätslehrbücher und Berufsliteratur übernehmen.

Harcourt ist einer der größten Lehrbuch-Verlage der Welt. Das Unternehmen hatte seit Juni nach einem Käufer gesucht, nachdem eigene Restrukturierungsbemühungen gescheitert waren. Zahlreiche Interessenten befürchteten allerdings Probleme mit den Regulierungsbehörden oder wollten nur Teile von Harcourt aufkaufen, was der Übernahme-Kandidat aber ablehnte. Der schärfste Konkurrent von Reed und Thomson in der letzten Bieterrunde war ein Investorenkonsortium um die Unternehmen Thomas H.Lee Co, Bain Capital und die Blackstone Group. Doch auch die Verlage Wolters Kluwer (Niederlande) und McGraw-Hill (USA) sollen Berichten zufolge mitgeboten haben.

Branchenkenner sprachen von einem profitablen Geschäft für die Käufer. "Das ist ein guter Preis für Reed Elsevier/Thomson, aber möglicherweise enttäuschend für die Verkäufer. Das wird sich sicherlich positiv auf die Gewinne von Reed Elsevier auswirken", sagte Oscar Tijs, Analyst bei der Fortis Investment Bank in Amsterdam.

Zur Finanzierung der Übernahme wird Reed eigenen Angaben zufolge ein Bankdarlehen über 6,5 Mrd. $ Dollar aufnehmen, für dessen Begleichung die Begebung von Unternehmensanleihen sowie die Ausgabe neuer Aktien im Wert von bis zu 1,5 Mrd. $ erwogen würden.

Reed kündigte ferner an, die Übernahme werde voraussichtlich im ersten Quartal kommenden Jahres abgeschlossen. Für den Fall eines Ausstiegs aus dem Vorhaben sei mit Harcourt eine Ausfallzahlung von 180 Mill. $ vereinbart worden, die für beide Seiten gelte, sagte Reed-Chef Crispin Davis. Er rechne aber nicht mit größeren Problemen durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden, fügte er hinzu.

Reed verspricht sich nach Unternehmensangaben von dem Harcourt-Kauf in den kommenden beiden Jahren Kosteneinsparungen von 70 Mill. $ und eine Steigerung des Ergebnisses im nächsten Jahr. Thomson hingegen rechnet zwar für die kommenden drei Jahre auch mit Synergien von jeweils 75 Mill. $, erwartet jedoch zugleich eine Verwässerung des Gewinns je Aktie im kommenden Jahr von bis zu zwölf Cent.

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