Referendum mit klarem Ergebnis
Polen geben der EU das Ja-Wort

Nach der Mehrheit in der Volksabstimmung in Polen für den Beitritt in die Europäische Union haben die EU-Anhänger bis in den Montagmorgen gefeiert.

rtr WARSCHAU. "Der größte Gewinner ist Polen. Ich bin so glücklich", sagte Ministerpräsident Leszek Miller in einem Radiointerview. Nach vorläufigen Ergebnissen stimmten bei dem Referendum am Wochenende 77 % der Teilnehmer für den im Mai 2004 geplanten Beitritt des Landes zur EU. Auch die notwendige Mindestbeteiligung von 50 % der Wahlberechtigten wurde überschritten. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und Bundeskanzler Gerhard Schröder gratulierten Polen zu dem Votum und werteten es als historische Entscheidung.

In vielen Tageszeitungen des Landes wurde am Montag die Mehrheit für den EU-Beitritt begrüßt. "Ja, wir sind in der Union", titelte die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza". "Hallo Europa", hieß es in dem linken Blatt "Trybuna", während die Wirtschaftszeitung "Puls Biznesu" mit dem Wortspiel "EUphorie" aufmachte. In der Altstadt von Warschau hatten in der Nacht zahlreiche Menschen das Ergebnis des Referendums mit einem Feuerwerk gefeiert. "Diese Entscheidung eröffnet uns viele Möglichkeiten. Wir werden in der Lage sein, in der EU zu arbeiten und zu studieren", sagte ein 25-jähriger Student.

Polen ist das größte der zehn mittel- und osteuropäischen Länder, um die die EU im kommenden Jahr erweitert werden soll. Die Kandidatenländer Malta, Slowenien, Ungarn, Litauen und Slowakei haben dem EU-Beitritt bereits per Referendum zugestimmt. Am kommenden Wochenende sollen die Tschechen per Referendum abstimmen, im September die Esten und Letten. In Zypern entscheidet das Parlament über den EU-Beitritt.

"Ich kann von ganzem Herzen sagen, dass wir zur großen europäischen Familie zurückkehren", sagte der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski. Er hatte sich maßgeblich für einen Beitritt seines Landes zur EU stark gemacht. Kwasniewski wollte am Montag mit Parteien Beratungen über Reformen aufnehmen, die mit der Aufnahme in die EU verbunden sind. Experten zufolge könnte es bei den Unterredungen auch darum gehen, ob der unpopuläre Miller weiter Regierungschef bleibt. "Wenn wir Personalfragen besprechen müssen, werden wir dies tun", sagte Kwasniewski in einem Radiointerview.

Das Ergebnis in Polen wurde in der EU mit Freude aufgenommen. "Die polnischen Bürger waren sich der historischen Entscheidung, die zu treffen war, voll bewusst", erklärte Prodi. Er sprach von einem weisen Votum. Bundeskanzler Schröder erklärte, es habe nie in Frage gestanden, dass Polen zu Europa gehöre. Die Entscheidung bedeute, dass Polen nun auch zur Europäischen Union gehören werde. "Mit ihrem eindeutigen Votum hat die polnische Bevölkerung diese historische Chance ergriffen."

In der Kampagne für den Beitritt hatte auch die römisch-katholische Kirche die Polen aufgerufen, den EU-Beitritt zu unterstützen und zur Abstimmung zu gehen. Der aus Polen stammende Papst Johannes Paul II. sprach vom EU-Beitritt als einem "Akt der historischen Gerechtigkeit".

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