Referenzkurs bei 0,8609 $
Euro fällt ungebremst weiter

Ein Ende des Abwärtstrends sehen Händler erst bei 0,84 $. Dennoch konnte sich die Gemeinschaftswährung am frühen Nachmittag leicht erholen.

dpa HAMBURG. Am Vormittag markierte die europäische Gemeinschaftswährung kurzzeitig einen historischen Tiefstand bei 0,8569 $ je Euro. Eine Erklärung der EU-Finanzminister vom Wochenende zu Gunsten des Euro verpuffte wirkungslos. Devisenhändler erwarten ein Ende des Abwärtstrends erst bei 0,84 $ je Euro.

Am frühen Nachmittag erholte sich die Währung leicht. Die Europäische Zentralbank legte einen Referenzkurs von 0,8609 (Freitag: 0,8735) $ fest. Das entsprach einem Kurs von 2,2718 DM je $.

"Das Abschluss-Kommunique hat nur Wischiwaschi enthalten", sagte dazu ein Devisenhändler, der namentlich nicht genannt werden wollte. In Versailles hatten die EU-Minister erklärt, der Euro-Kurs spiegele nicht die guten wirtschaftlichen Daten in der Euro-Zone wider.

Bis auf 0,84 $ könnte der Euro in den nächsten 14 Tagen nach Ansicht von Hans Jörg Naumer, Analyst beim Bankhaus Societé Générale, fallen. Er habe er ohnehin nicht erwartet, dass von dem Treffen belebende Impulse ausgehen könnten. Die Finanzminister seien in einer Zwickmühle gewesen. Hätten sie der französischen Forderung nach einem Eingreifen der EZB auf den Märkten nachgegeben, wäre ihnen Einflussnahme auf die unabhängige Notenbank vorgeworfen worden.

Auch Helmut Umlauf von der Düsseldorfer WGZ Bank geht davon aus, dass die Schwäche des Euro anhalten wird. "Wo soll denn in Stunden das Vertrauen in den Euro herkommen, das er in eineinhalb Jahren nicht hatte?"

Der Euro werde weiter verlieren, da es demnächst keine Konjunkturdaten geben werde, "die dem Euro auf die Beine helfen können", sagte Chefanalyst Richard Zellmann von der Helaba Trust. Bis zum kommenden Frühjahr rechnet er mit einer Erholung bis knapp über die Marke von 90 Cents. Das Finanzminister-Treffen habe keinen Einfluss auf die Märkte, weil sich alle daran gewöhnt hätten, dass Politiker den Euro hoch reden wollten. Die Schwäche des Euro ende erst, wenn es schlechte Nachrichten aus den USA gebe. Gute Nachrichten aus Europa seien wirkungslos.

Folker Hellmeier, Devisenhändler der Landesbank Hessen-Thüringen, erwartet einen Kursverfall bis auf 0,85 $. Die Stimmung gegenüber dem Euro sei so negativ, dass objektive Nachrichten nicht mehr wahrgenommen würden. "Es passiert nichts, weil die Leute, die dem Euro vertraut haben, bislang immer enttäuscht worden sind."

Auch für Reiner Winkler, Devisenhändler der HypoVereinsbank, ist vor allem die negative Erfahrung der Marktteilnehmer ein wichtiger Faktor. Bislang sei noch jeder bestraft worden, der größere Beträge Euro besaß. "Diese Woche werden wir die 0,86 Cent unterschreiten", sagte er voraus.

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