Reform des europäischen Investmentrechts
Weitere Performancenachteile für Dachfonds

Dachfonds bringen dem Anleger im Schnitt nicht nur weniger Ertrag als konkurrierende Fondsgruppen. Bald droht neues Ungemach durch einen weiteren Gebührennachteil: Das neue europäische Investmentrecht wirft seine Schatten voraus. Schon jetzt nagen hohe laufende Kosten, die vom Fondsvermögen abgezogen werden, an der Wertentwicklung.

HB FRANKFURT/M. "Unter Anlegerschutzgesichtspunkten bahnt sich eine Verschlechterung an", konstatiert Thomas Paul, Partner der Frankfurter Anwaltssozietät Hengeler Mueller und ein ausgewiesener Kenner des Investmentrechts. Er weist darauf hin, dass bei Investments des Dachfonds in Einzelfonds der eigenen Gesellschaft eine doppelte Kostenbelastung droht.

Hintergrund: Im September beschäftigt sich das EU-Parlament mit den Vorschlägen der Kommission zur Reform der europäischen Investmentrichtlinie aus dem Jahr 1985. Im Reformentwurf sind auch Anforderungen an Dachfonds definiert. "Wie im deutschen Recht ist eine doppelte Kostenbelastung bei Verwendung eigener Fonds zwar verboten. Das bezieht sich aber nur auf die Ausgabeaufschläge, nicht auf die Managementgebühr - eine obskure Regelung", so Paul. Recherchen in Brüssel ergaben, dass die vorliegenden Formulierungen wohl auf politischen Druck einiger EU-Mitgliedsländer zustande kamen.

Stimmt das Parlament dem Entwurf zu, könnten Mitte 2003 die gesetzlichen Voraussetzungen für die Umsetzung in nationales deutsches Recht geschaffen werden. Paul ist gespannt: "Dann möchte ich sehen, wie der deutsche Gesetzgeber darauf reagiert, wir können das Anlegerschutzniveau bei uns ja kaum zurückschrauben."

In der Theorie scheint der Anleger bei Dachfonds bestens aufgehoben. Mit gezielten Investments in Einzelfonds kann der Dachfondsmanager das Risiko sehr breit streuen und sich zusätzlich die Expertise fremder Vermögensverwalter für spezielle Märkte sichern. Die Anleger waren schnell überzeugt. Sie haben zum Halbjahresultimo in 240 Produkten dieser Art 26,4 Mrd. investiert, Ende Juni vergangenen Jahres waren es erst 102 Dachfonds mit einem Gesamtvermögen von 15,8 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr 2001 investierten die Anleger netto 5,3 Mrd. Euro in Dachfonds - während das Nettoengagement in Investmentfonds im allgemeinen stetig zurückging.

DGZ Deka-Bank und DWS am stärksten betroffen

Die Praxis kann bis jetzt nicht halten, was die Theorie verspricht. Das zeigt ein Vergleich der Anlageergebnisse für vier Fondsgruppen auf Basis der Zwölfmonats-Wertentwicklungen per Ende Juni. Die ausschließlich in Aktienfonds investierenden Dachfonds mussten beispielsweise gegen die internationalen Aktienfonds antreten: Im Schnitt machten die Einzelfonds 15,40 % Verlust, während die Dachfonds mit einem Rückschlag von 21,74 % mehr als sechs Prozentpunkte schlechter abschnitten. Die anderen Ergebnisse fallen ähnlich aus. So liegt der Performancenachteil bei den anleiheorientierten Produkten mit 0,20 % zu 2,18 % bei rund zwei Prozentpunkten. Gegenüber der gleichen Untersuchung vor einem halben Jahr machen die Dachfonds jetzt sogar eine noch schlechtere Figur.

Die Ergebnisse dürften den Dachfonds-Verfechtern wenig Freude bereiten. Unangefochtener Marktführer ist die DGZ Deka-Bank, die 13,5 Mrd. Euro verwaltet. Auf Rang zwei rangiert die zur Deutsche-Bank-Gruppe gehörende DWS mit 5,8 Mrd. Euro. Ulrich Gallus von der DGZ Deka-Bank will die Grenzen der vorliegenden Auswertung herausgestellt wissen: "Dachfonds sind viel breiter diversifiziert als gemischte Fonds, haben daher geringere Wertschwankungen - das ist ein Plus." Der Dachfonds-Verantwortliche bei der Holding der Sparkassenorganisation weist außerdem auf die größere Bandbreite der Wertentwicklungen hin: "Wenn der Anleger den Dachfonds mit dem geringsten Ertrag erwischt, ist er immer noch besser dran, als wenn er den schlechtesten gemischten Fonds erworben hätte."

EU könnte bestehende Nachteile verschärfen

Eine Umsetzung der neuen Investmentrichtlinie würde die bisher schon bestehenden Gebührennachteile verschärfen. Zum Beispiel: Ein Dachfonds verlangt 1 % an jährlicher Managementgebühr. Die gesamten laufenden Managementgebühren fallen in der Regel jedoch höher aus und richten sich danach, welche Fonds im Dachfonds gehalten werden. Im ungünstigsten Fall handelt es sich ausschließlich um Produkte fremder Investmentgesellschaften. Dann muss der Anleger in der Regel sowohl die für diese Fonds fällige Jahresgebühr als auch die Dachfondsgebühr zahlen. Bei Verwendung konzerneigener Fonds ist eine Doppelbelastung in dieser Form momentan ausgeschlossen.

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