Reform des weltweit führenden Indexanbieters beseitigt Kursverzerrungen
Analyse: MSCI macht sich auf den richtigen Weg

Jetzt hat also auch der weltweit führende Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) seine Antwort auf die Gretchenfrage "wie hältst Du?s mit dem Streubesitz" gegeben. Ab dem kommenden Jahr werden die MSCI-Indizes nur noch nach der Zahl der frei handelbaren Aktien berechnet und nicht mehr auf Basis der gesamten Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Es hat lange genug gedauert, bis der Weltmarktführer die Zeichen der Zeit erkannt hat, die Konkurrenz war mit ihren Reformplänen deutlich schneller. Doch für das Zögern von MSCI gibt es eine Erklärung.

Die Reform wird dazu führen, dass der Anbieter seine Pflicht im kommenden Jahr nicht sauber erfüllen kann. Aufgabe der großen Spieler im internationalen Indexgeschäft ist es, das Geschehen an den Aktienbörsen so exakt wie möglich abzubilden und - die Kurse selbst so wenig wie möglich zu bewegen. Die Erfüllung der ersten Aufgabe zwingt MSCI, die zweite zu vernachlässigen.

Billionen von Anlegergeldern an MSCI geknüpft

An die Indizes des Weltmarktführers sind Billionen an Anlegergeldern gekoppelt, weitaus mehr als an jede andere Indexfamilie. Die Reform wird voraussichtlich hunderte von Milliarden Dollar quer durch alle Kontinente in Bewegung bringen. In einigen Regionen, zum Beispiel an den Schwellenländerbörsen in Asien drohen schwerwiegende Verwerfungen. Die Tatsache, dass MSCI seine Reform bis ins Jahr 2002 streckt und den Anlegern damit reichlich Zeit einräumt, sich auf die neue Situation einzustellen, zeigt wie ernst der Indexanbieter solche Krisenszenarien nimmt.

Doch trotz der möglicherweise massiven Folgen - MSCI hat wie zuvor bereits die großen Konkurrenten FTSE, Stoxx und Dow Jones richtig entschieden - besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Denn die Streubesitzregel ist eindeutig die gerechtere Berechnungsmethode. Nur so lässt sich die Knappheit einer Aktie, nach der sich auch der Kurs richten sollte, korrekt in den Börsenbarometern abbilden. Fondsmanager, die ihre Portfolios an den Indizes ausrichten, mussten bislang die Gesamtzahl aller zum Börsenhandel zugelassenen Aktien berücksichtigen. Doch oft können sie nur einen Bruchteil dieser Papiere wirklich kaufen und verkaufen, weil der große Rest in festen Händen liegt.

Bei Telekom und Infineon lässt der Free Float zu wünschen übrig...

Das Ergebnis: Künstliche Knappheit und damit überzogene Kurse. Zum Beispiel bei der Deutschen Telekom, bei der der Streubesitz gerade einmal die Hälfte der Marktkapitalisierung ausmacht. Aber auch bei Werten wie dem Chiphersteller Infineon oder den großen Versicherern lässt der Free Float zu wünschen übrig. 2002 wird auch die Deutsche Börse ihre Indizes auf den Streubesitz umstellen. Die Unternehmen und der Bund sollten diese Schonfrist nutzen. Der Staat muss seine Privatisierungsanstrengungen forcieren, soweit die Kursentwicklung von Telekom und Post das zulassen. Aufgabe der Unternehmen ist es, in den kommenden zwei Jahren Überkreuzbeteiligungen so weit wie möglich abzubauen.

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