Reform fördert Wohneigentum
Ein Häuschen mit Riester

Jetzt werden Immobilien doch im Rahmen der Rentenreform gefördert. Anleger sollten daraus keine falschen Schlüsse ziehen.

Kopfgeburten oder die Deutschen sterben aus" - so heißt ein Buch von Günter Grass. Die Rentenreform ist eine arg komplizierte Kopfgeburt, aber notwendig wird sie, weil es künftig immer weniger Deutsche geben wird.

Besonders unverständlich ist die Förderung des Wohneigentums, die im Vermittlungsausschuss zusätzlich in das Reformpaket von Arbeitsminister Walter Riester hineingebracht wurde. Das ist kein Zufall. Denn eigentlich passen Immobilien nicht in das Konzept: Die "Riester-Produkte" sollen eine lebenslange Rente abwerfen. Das heißt: Der Sparer ist bis zu seinem Tod abgesichert - und für die Erben bleibt nichts übrig. Immobilien in ein solches Konzept einzubinden, war eine Art Quadratur des Kreises.

Die Grundfrage, die jeder Anleger für sich selbst beantworten muss, lautet, wie sehr Immobilien überhaupt zur Altersvorsorge geeignet sind. Wenn die Börsen unsicher und die Zinsen niedrig sind, liegt es nahe, sein Geld lieber in die eigenen vier Wände zu stecken, um später im Alter mietfrei wohnen zu können. Zumal dieser Weg ohnehin schon vom Staat gefördert wird: Eine vierköpfige Familie kann zum Beispiel acht Jahre lang jeweils bis zu 8 000 DM vom Finanzamt als Förderung bekommen. Das Sparen für die Immobilie entspricht auch der Lebenserfahrung der heutigen Rentnergeneration, die, so weit möglich, rechtzeitig gebaut hat und jetzt darin wohnt.

Aber die Zukunft wird anders. Künftige Ruheständler werden mit der staatlichen Rente nicht mehr auskommen. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge in Köln hat die Berechnungen Riesters zur staatlichen Rente als zu schön um wahr zu sein kritisiert. Und nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes bringt zurzeit in Deutschland jede Frau im Durchschnitt nur 1,4 Kinder zur Welt. Damit die Bevölkerung stabil bleibt, müssten es etwas mehr als zwei Kinder sein - es fehlen also gut 30 Prozent Geburten. Da lässt sich leicht erkennen, dass die staatliche Rente, bei der schlicht die Jungen für die Alten zahlen, auf Dauer dramatisch schrumpfen muss, selbst wenn Deutschland plötzlich ein Herz für Einwanderer entdecken sollte.

Folgerung: Die mietfreie Wohnung reicht künftig nicht - man braucht auch Geld. Hinzu kommt: Mietfrei heißt nicht kostenfrei. Wenn die Häuser 20 Jahre alt sind oder noch mehr, wird einiges zu reparieren und nachzurüsten sein. Der Kostenvorteil der eigenen Immobilie ist daher geringer, als er auf den ersten Blick erscheint.

Wer die Einbeziehung der Immobilie in die Riesterförderung daher als Signal versteht, dass es ausreiche, für eine eigene Immobilie zu sparen, der macht einen Fehler. Zwar kann man ein großes Haus im Alter auch verkaufen, wenn das Geld nicht mehr reicht. Aber genau das wird man lange hinauszögern - so viel Geld und Arbeit hineingesteckt und dann ausziehen? Das Grundproblem: Wer lange Zeit in einem großen Haus wohnt, lebt unter Umständen sehr luxuriös, ohne es selbst richtig zu merken, weil er in seinen sonstigen Ausgaben sehr sparsam ist. Anleger sollten daher überlegen, eine Nummer kleiner zu bauen, damit noch finanzieller Spielraum bleibt, um Geldvermögen anzusparen. Wichtig ist auch, dass Häuser, wenn die Kinder aus dem Haus sind, geteilt und zum Teil vermietet werden können.


Die unterschiedlichen Riester-Zulagen im Überblick

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