Reform in drei Schritten
Am Gasmarkt wird nur langsam Wettbewerb entstehen

Anfang 2004 wird Ungarn mit der Liberalisierung des Gasmarktes beginnen. Die Reform soll in drei Schritten erfolgen: Anfang nächsten Jahres können industrielle Großverbraucher auf dem freien Markt ihren Gasbedarf decken, vom 1. Juni an alle Industrieunternehmen. Völlig liberalisiert wird der Gasmarkt - wie übrigens auch der Strommarkt- in Übereinstimmung mit den EU-Richtlinien ab Juli 2007.

BUDAPEST. Wichtig ist vor allem die neue Preisbildung auf Basis des Weltmarktpreises, da sowohl die Bevölkerung als auch die Wirtschaft bisher weniger für das Gas ausgeben mussten, als der Marktmonopolist, der Ungarische Öl- und Gasmulti Mol, dafür auf dem Weltmarkt bezahlte. Aus der Förderabgabe, die Mol für die Gasförderung entrichtet, soll ein Ausgleich für den höheren Preis an die Bevölkerung gezahlt werden.

Nach Meinung von György Hatvani, stellvertretender Staatssekretär für Energie im Ministerium für Wirtschaft und Transport, könnte die Liberalisierung des Gasmarkts theoretisch genau so verlaufen wie die des Strommarkts. "Von der operativen Seite her gestaltet sich die Lage im Gasmarkt aber schwieriger als auf dem Strommarkt. Ob zusätzliches Gas auf den ungarischen Markt geliefert wird, hängt entscheidend vom russischen Gaskonzern Gazprom ab, dem Hauptlieferanten für Gas nach Ungarn. Wenn Gazprom Interesse daran hat, zusätzliches Gas für den ungarischen Markt zu liefern, dann wird ein Markt für Gas in Ungarn entstehen." Der Staatssekretär sieht aber auch Engpässe bei den Leitungs- und Speicherkapazitäten, die veraltet sind.

Ungarn deckt seinen steigenden Energiebedarf gegenwärtig zu ca. 40 % mit Gas, wobei die Nachfrage nach Gas weiter ansteigen wird. 75 % des Gasverbrauchs stammt aus Importen und 25 % aus eigener Gasförderung. Der Gasimport ist allein im 1. Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 1,4 Mrd. cbm auf 6,5 Mrd. cbm erhöht worden. Die Förderung von Erdgas in Ungarn fiel um 1,6 %. Mol verfügt zwar über Erdgasreserven, um die Versorgung des Landes mit Gas langfristig zu sichern. Die Gesellschaft hat dennoch mit Gazprom bereits 1995 einen Liefervertrag für Erdgas über 20 Jahren unterzeichnet. Darin verpflichtet sich Gazprom pro Jahr mindestens 10 Mrd. cbm Gas zu liefern. Den Bedarf für dieses Jahr schätzt Mol auf 13 Mrd. cbm. Davon liefert Gazprom über die gemeinsame Tochter Panrusgaz (50 % Gazprom, 50 % Mol) mindestens 10,2 Mrd. cbm. Der Rest wird aus der eigenen Förderung gedeckt. Das Erdgas kommt über zwei Gasleitungen ins Land. Die eine führt über die ungarisch-ukrainische, die andere über die österreichisch-ungarische Grenze. Über beide Leitungen kommt vorläufig vor allem Erdgas von Gazprom.

Seite 1:

Am Gasmarkt wird nur langsam Wettbewerb entstehen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%