Reform in Großbritanniens Oberhaus
Ein Präsident im Anzug? God help us!

Großbritanniens Oberhaus wird reformiert: Weder Erblords noch die von Premiers auf Grund ihrer Verdienste um Nation, Gesellschaft oder Parteikasse ernannten "Life Peers" sollen noch Sitz und Stimme in einem neuen Oberhaus haben. Hört man recht? Mischt sich in den Jubel im Unterhaus das Entsetzen vor der eigenen Courage?

LONDON. "The Ayes 337" rief Speaker Michael Martin, ein bodenständiger Schotte, der sich im Laufe der komplexen Abstimmungsprozedur mehrfach vergewissern musste, ob man gerade beim zustimmenden oder ablehnenden Vorschlag war. "The Noes 224".

Die Abgeordneten wussten, was sie taten. Seit 1911 arbeiten sie an diesem Projekt. Damals gelobten sie im Parliament Act, die zweite Kammer "auf populäre statt erbliche Basis" umzustellen. In Zukunft, stimmten sie mit überwältigender Mehrheit, soll auch die zweite Kammer der Mutter aller Parlamente demokratisch gewählt werden. 100-prozentig.

Weder Erblords, von denen es noch 92 gibt, noch die von Premiers auf Grund ihrer Verdienste um Nation, Gesellschaft oder Parteikasse ernannten "Life Peers" sollen noch Sitz und Stimme in einem reformierten Oberhaus haben. Keine Hermelinmäntel. Keine "noblen Lords". Nur noch Deputierte in Anzügen, gewählt nach einem Listensystem, wie aus dem 21. Jahrhundert.

Tony Blair war bei der Queen, als die Entscheidung fiel. Eine jener Audienzen, die wir jetzt aus dem Kino kennen. War die Queen amused? Ohne Erblords, hatte ein Abgeordneter in der Debatte galant gewarnt, "wäre die Königin als einzige Inhaberin eines vererbbaren Amtes im Land exponiert". Überhaupt, macht die ganze wunderbare Zeremonie der Parlamentseröffnung noch Sinn, wenn sie das Oberhaus nicht mehr als "My Noble Peers" ansprechen kann? Von der Reform des Oberhaus bis zur Abschaffung der goldenen Kutsche ist es nur ein kurzer Schritt.

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