Reform statt Revolution
Formel 1: Das Ende der Stallorder

Keine Stallorder mehr, Einzelzeitfahren in der Qualifikation und WM-Punkte für die ersten Acht: Nach einer Marathon- Sitzung der Formel-1-Kommission in London ist die Revolution mit Strafgewichten und Fahrertausch zwar ausgeblieben, doch wurden am Montag in einem Nobelhotel in der Nähe des Flughafens Heathrow die dramatischsten Änderungen in der Geschichte der Königsklasse beschlossen.

HB/dpa LONDON. Schlechte Nachrichten gab es zudem für Michael Schumachers Lieblingsrennen in Spa-Francorchamps. Der Große Preis von Belgien wurde wegen des Verbots der Tabakwerbung kurzerhand aus dem Termin-Kalender gestrichen.

"Wir hoffen, dass diese neuen Regelungen die Formel 1 wieder auffrischen", sagte FIA-Präsident Max Mosley auf der Pressekonferenz, die wegen des Tauziehens hinter den Kulissen mit großer Verspätung begann. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, der an seinem 72. Geburtstag eine riesige Geburtstagstorte erhielt, war nach dem Kompromiss in Feierlaune: "Wir wollten nicht zu viel auf einmal ändern." Die Beschlüsse müssen allerdings noch am 13. Dezember vom FIA-Weltrat in Monaco abgesegnet werden. Aber das dürfte nur noch Formsache sein, denn die Regeländerungen sind ausgewogen.

"Mercedes-Benz begrüßt die Beschlüsse der Formel-1-Kommission, die wir im Sinne des besseren Sports gemeinsam mit unserem Partner McLaren und allen Teamvertretern mitgestaltet haben", freute sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Auch sein Kollege Gerhard Berger von BMW war nicht unzufrieden: "Wir sind froh, dass die Themen Fahrertausch und Zuladung von Gewichten vom Tisch sind. Die in London beschlossenen Maßnahmen sind im Großen und Ganzen sinnvoll. Dennoch muss man abwarten, wie künftig die Realität aussehen wird."

"Die Stewards werden die Teams scharf beobachten"

Formel-1-Dominator Schumacher wurde von den 26 Funktionären nicht gebremst, trotzdem gab es eine "Lex Ferrari" durch das Verbot der Stallorder. Künftig dürfen, wie in der vergangenen Saison von den "Roten" und Schumacher in Österreich und den USA praktiziert, die Rennausgänge nicht mehr beeinflusst werden. "Die Stewards werden die Teams scharf beobachten", kündigte Mosley an. Rennstallbesitzer Eddie Jordan verriet: "Die Rennställe haben einstimmig für ein Verbot der Stallorder gestimmt."

Im neuen Jahr wird schon am Freitag ernsthaft Gas gegeben. Mit je einer fliegenden Runde für jedes Auto wird die Reihenfolge für die entscheidende Qualifikations-Runde am Samstag festgelegt. Jeweils der WM-Spitzenreiter startet künftig als erster Fahrer auf dann noch schlechter Piste. Beim ersten Grand Prix in Australien (9. März) muss Schumacher mit diesem Handicap seine Runde drehen.

"Vom Einzelzeitfahren versprechen wir uns größte Spannung. Der Freitag wird aufgewertet, denn der Schnellste geht dann am Samstag als Letzter unter normalerweise besten Streckenbedingungen auf seine Qualifikations-Runde", beschrieb Haug den Vorteil der neuen Regelung, die von den Teams durchgesetzt wurde. Bislang durften am Samstag je zwölf Runden gedreht werden. Die Schnellste wurde gewertet.

Reduzierung der Testfahrten auf freiwilliger Basis

Auch die neue Punktewertung für die besten Acht (statt bisher sechs Fahrer) soll für mehr Spannung sorgen. Allerdings hätte dies in diesem Jahr nur bedeutet, dass Schumacher seinen fünften WM-Titel nicht schon beim elften Grand Prix in Frankreich, sondern erst beim zwölften Saison-Rennen in Hockenheim gewonnen hätte.

Die Reduzierung der Testfahrten erfolgt dagegen auf freiwilliger Basis: Wer sich verpflichtet, zwischen dem 1. März und dem 1. November nur zehn Tage zu testen, darf am Freitag vor dem 60- minütigen Training zwei weitere Stunden zur Feinabstimmung auf die Piste. Unter anderem die Topteams Ferrari, McLaren-Mercedes, Williams-BMW sind unschlüssig. "Wenn sie sehen, welche Vorteile es bringt, werden sie schon noch zustimmen", hofft Mosley. "Das ist eine Alternative, die wir noch im Detail diskutieren müssen", sagte BMW Motorsportdirektor - Mario Theissen. 200 bis 300 Mill. Euro pro Jahr sollen durch diese Maßnahme im PS-Zirkus eingespart werden. Drei Rennställe müssen die Vereinbarung bis zum 15. Dezember unterzeichnen, ansonsten bleibt alles beim alten.

Ein Wettrüsten gibt es dagegen auf dem Reifensektor: Bridgestone und Michelin dürfen künftig für jedes Team zwei verschiedene Mischungen anbieten. Somit können "Spezialreifen" für jede Mannschaft gebacken werden - das Feld dürfte dichter zusammenrücken. Zuletzt hatte sich Bridgestone auf Ferrari konzentriert, während Michelin mit McLaren-Mercedes und Williams-BMW zwei Top-Teams belieferte.

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