Reform von wichtigen Börsenbarometern setzt Anlegermilliarden in Bewegung
Gefahr für deutsche Aktien

Der Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) wirbelt die Aktienmärkte durcheinander. Analysten rechnen mit massiven Umschichtungen. Zu den größten Gewinnern der Reform werden die USA und Großbritannien zählen. Dagegen stehen die Euro-Staaten und Asien auf der Verliererseite.

FRANKFURT/M. MSCI macht ernst mit seinen Reformplänen. In Zukunft wird der weltweit führende Indexanbieter seine Börsenbarometer nur noch auf Basis der frei handelbaren Aktien berechnen und nicht mehr anhand der gesamten Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Die Umstellung auf den so genannten Streubesitz (Free Float) wird Fondsmanager und Vermögensverwalter in der ganzen Welt zu massiven Umschichtungen zwingen. Analysten erwarten, dass hunderte von Milliarden Dollar in Bewegung geraten werden.

Zu den großen Verlierern der Reform zählen Asien und die Eurostaaten, hier könnte es Deutschland am härtesten treffen. Dagegen dürfen die USA und Großbritannien mit starken Kapitalzuflüssen rechnen. Gleichzeitig mit der Umstellung auf den Streubesitz will MSCI die Repräsentativität seiner Indizes verbessern. Statt 60 % sollen in Zukunft 85 % der Marktkapitalisierung eines Landes oder einer Branche in die Börsenbarometer einfließen. Um ernsthafte Verwerfungen an den Aktienmärkten zu verhindern, räumt MSCI den Anlegern eine lange Übergangsfrist ein. Die Reform wird in zwei Schritten Ende November 2001 und Ende Mai 2002 umgesetzt.

Trotz der langen Frist schon bald Umschichtungen

Trotz der langen Frist wird die Index-Umstellung an den internationalen Aktienbörsen ihre Spuren hinterlassen. da Fonds und andere Großanleger, die ihre Investments an den Börsenbarometern ausrichten, in den kommenden Monaten Titel mit geringem Streubesitz abstoßen und im Gegenzug Werte mit hohem Free Float zukaufen müssen. Doch die Prognosen der Analysten über das genaue Ausmaß der Umschichtungen liegen weit auseinander, da niemand genau sagen kann, wieviel Kapital an die MSCI-Indizes gekoppelt ist.

Die Schätzungen reichen von 2 bis 4 Bill. $. Nach Meinung von Stavros Siokos, Analyst bei Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) werden vor allem die Aktionen der passiven Fonds, die die Indizes exakt nachbilden, entscheidend sein. Aktive Fonds, die die Börsenbarometer lediglich als Messlatte für den Anlageerfolg verwenden, hätten die Möglichkeit gehabt, sich bereits im Vorfeld auf die von den meisten Experten erwarteten MSCI-Entscheidung einzustellen. Allein bei den passiven Fonds rechnet Schroder Salomon Smith Barney mit Umschichtungen zwischen 150 und 200 Mrd. $. Für die USA und Großbritannien, Länder mit traditionell hohem Streubesitz, prognostiziert die Investmentbank einen Kapitalzufluss von jeweils knapp 10 Mrd. $. Dagegen könnten aus Japan 8 Mrd $ und aus Deutschland 5 Mrd. $ abfließen. Robert Parkes von der britischen Bank HSBC hat für die USA sogar Zuflüsse von rund 30 Mrd. $ errechnet. Dagegen werden nach seinen Schätzungen aus Asien und dem Euroraum jeweils 20 Mrd. $ abfließen.

Die MSCI-Reform ist das Ergebnis einer Kundenbefragung, die der Anbieter im Herbst durchgeführt hat. Vor allem die Manager passiver Fonds hatten beklagt, dass bei zahlreichen Unternehmen nur ein kleiner Teil der Aktien frei handelbar ist, der große Rest aber in festen Händen liegt. Bei ihrer Anlageentscheidung müssen die Manager aber die gesamte Kapitalisierung berücksichtigen. Das führt nach Ansicht der Kritiker zu verzerrten Kursen.

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