Reformen unerlässlich
Japans Bonität abgestuft - Schlusslicht der G-7

Damit ist die zweitgrößte Wirtschaftsnation nun das Schlusslicht unter den sieben größten Industriestaaten (G-7) und steht auf einer Stufe mit der Tschechischen Republik und Malta.

dpa TOKIO. Innerhalb der Regierung wurde die harsche Maßnahme am Dienstag zum Teil als "zu viel" kritisiert, teils aber auch als Ansporn für Reformen aufgefasst.

Die Analysten bei Standard and Poor's begründeten ihre Maßnahme mit den Verzögerungen bei den vom japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi angekündigten Strukturreformen. Koizumi habe die an ihn gestellten Reformerwartungen nicht wie erhofft erfüllen können. Koizumi, einst gefeiert wie ein Popstar, hatte bei seiner Wahl vor genau einem Jahr wirtschaftliche und politische Reformen versprochen. Doch nach Entlassung der populären Außenministerin Makiko Tanaka und einer Serie politischer Skandale begann Koizumis Stern zu sinken, seine Zustimmung stürzte von einst 85 auf inzwischen rund 40 %.

Die einst hohe Beliebtheit im Volk galt jedoch als Koizumis einzige Waffe, um sich gegen die Reformgegner im eigenen Lager zu behaupten. Echte Reformen seien denn auch vor diesem Hintergrund und wegen der hartnäckigen Rezession ausgeblieben, die realen Probleme geblieben, so die Ansicht mancher Beobachter. Enttäuscht reagierte S&P auch auf das mit Spannung erwartete Ergebnis der Inspektionen zur Lage der massiven faulen Kredite bei den japanischen Banken durch die Finanzaufsicht des Landes. Es sei nur ein Bruchteil der gesamten faulen Kredite im japanischen Bankensektor berücksichtigt worden. Der Inspektionsbericht reiche nicht aus, die schwer angeschlagene Vertrauenswürdigkeit der japanischen Banken wiederherzustellen.

Die US-Ratingagentur stufte nun Japans vom Staat verbürgte in- und ausländische Währungskredite um eine Stufe herab, nachdem sie Japans Bonität erst im November gesenkt hatte. Japans Staatsschulden dürften sich bis März kommenden Jahres Schätzungen zufolge auf 693 Billionen Yen (rund 6 Billionen Euro) belaufen, 40 % mehr als das Bruttoinlandsprodukt und der höchste Schuldenberg unter den Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Viel von dem Geld ist in den Bau von Brücken, Straßen und Dämme geflossen, ohne dass damit jedoch wie erhofft Japan aus der seit nun elf Jahren dauernden Wirtschaftskrise gezogen werden konnte. Fakt ist aber auch, dass Japan weiter der weltgrößte Kreditgeber ist.

"Wir müssen Reformen durchdrücken", zeigte Wirtschaftsminister Heizo Takenaka Verständnis für die Sorge von S&P hinsichtlich Japans Problem mit den faulen Bankkrediten und seinen hohen Staatsschulden. An der Aktienbörse in Tokio wirkte sich die Bonitätsabstufung durch S&P jedoch nicht weiter groß aus, da die Maßnahme weitgehend erwartet worden war. Stattdessen profitierte die Börse am Dienstag von den optimistischen Ertragsaussichten amerikanischer Halbleiterkonzerne.

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