Regeländerung sei "Mogelpackung"
Aktionärsschützer kritisieren Deutsche Börse

Kritik am halbherzigen Schritt der Deutsche Börse, "Penny Stocks" vom Neuen Markt zu verbannen, kam von Marktteilnehmern und Aktionärsschützern. "Das ist eine Mogelpackung", meinte ein Händler an der Frankfurter Börse. Schließlich sei es gerade am Neuen Markt durch die oft sehr geringen Handelsvolumina "nicht gerade schwer", den eigenen Aktienkurs bei Bedarf kurzfristig nach oben zu manipulieren.

FRANKFURT. Außerdem haben zahlreiche der ehemaligen "Höhenflieger" in den vergangenen Jahren vorgemacht, wie schnell man durch einen Aktiensplit seine Papiere optisch "billiger" machen kann. "Was soll die Firmen künftig hindern, diesen Prozess einfach umzukehren und ihre Aktien dann halt wieder teurer zu machen", fragen Kritiker.

Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hält es ohnehin für "illusorisch, zu glauben, dass der schlechte Ruf des Neuen Marktes damit zu retten ist." Manager bislang als solide geltender Unternehmen - wie Mobilcom, ce Consumer Electronics oder Singulus - hatten aber mit ihrem Rückzug vom Neuen Markt gedroht, falls die Börse nichts gegen die Krise unternehme. Vielen von ihnen gehen die Sanktionen aber nicht weit genug. Der umstrittene Börsenanalyst Egbert Prior fordert, auch große "Skandalnudeln" des Neuen Marktes zu bestrafen. Als Beispiel nennt er die Münchner EM.TV, die bis heute nicht ihren Bericht zum 1. Quartal 2001 vorgelegt hat.

"Hier wurden monatelang die Hände in den Schoß gelegt", monierte die Sprecherin der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Petra Krüll. Der jetzige Schritt komme "zu spät".



Volker Potthoff, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, wehrte sich am Freitag vehement gegen den Eindruck, dass die Deutsche Börse die Schuld an dieser Misere trage. Er appellierte eindringlich an Banken, Unternehmen und Anleger, ihren eigenen Beitrag zu leisten, damit es wieder einen Aufschwung gibt. Auch die Medien griff Potthoff an: "Wer etwas hochredet, kann es auch wieder herunterreden", sagte er. Die Medien hätten eine große Macht, da die Psychologie den Markt stark beeinflusse.

Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) glaubt, dass auch das neue Regelwerk vor allem eine "psychologische Wirkung" erzielen soll. Vor allem die künftige Grenze für den Börsenkurs von einem Euro geht für ihn in diese Richtung. Das sei die "Magie der runden Zahl". Viel wichtiger sei der Mindestwert bei der Marktkapitalisierung, da diese eine gewisse Liquidität des Unternehmens zeige.

Die Deutsche Börse begibt sich mit diesen Ausschlusskriterien aber womöglich auf unsicheres Terrain. In den vergangenen Tagen wurde vermehrt über mögliche Klagen gegen die Regeländerungen spekuliert. Potthoff hält die Änderungen indes für "juristisch sauber". Ausgeschlossene Firmen könnten schließlich weiter gehandelt werden. Es gehe nur darum, dass der als Qualitätsmerkmal gedachte "Stempel Neuer Markt" für sie nicht mehr zur Verfügung stehen solle. Ob das vermeintliche Gütesiegel überhaupt zu rehabilitieren ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Noch immer erwägen einige Firmenvorstände den Wechsel in anderes Börsen-Segment.

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