Regelmäßiger Dialog zwischen Wirtschaftsvertretern und Politikern hat begonnen
Börse und Unternehmen bereiten Handel mit Emissionsrechten vor

Die Vorbereitungen für den Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten in Deutschland laufen auf Hochtouren. Am Freitag haben sich in Berlin auf Einladung der Deutschen Börse AG und Price-Waterhouse-Coopers erstmals Vertreter von Unternehmen, Politik und Wissenschaft in Berlin getroffen, um über einen Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten zu beraten. Die Expertengruppe will künftig die Entwicklung eines Marktmodells für den Handel mit Emissionsrechten diskutieren.

DÜSSELDORF. Ein internationaler Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten wird wahrscheinlichen ab 2008 stattfinden. Bereits ab 2005 ist EU-weit eine Zertifikate-Pflicht für Kohlendioxid-Ausstoß und ein Handel mit Emissionsrechten vorgesehen. Ein freiwilliger Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten könnte dennoch sehr bald auf die Agenda von energieintensiven Unternehmen stehen:

Spätestens wenn es eine neue Besteuerung von Energie geben wird und die Befreiung von einzelnen energieintensiven Branchen von der Ökosteuer ausläuft, könnten Unternehmen, die sich um Emissionsminderungen bemühen, teilweise von der Energiesteuer ausgenommen werden. So wurde es zumindest in Großbritannien zwischen engagierten Energiekonzernen und der Regierung vereinbart.

Projektmanagerin Barbara Wieler von Price-Waterhouse-Coopers erklärte gegenüber Handelsblatt.com, dass es auch für die deutschen Unternehmen kaum einen Weg geben werde, sich der Vorbereitung von Maßnahmen zum Klimaschutz zu entziehen: "Darum haben wir uns mit Teilnehmern aus Industrie und Politik zunächst in einer konstituierenden Sitzung zu einer Emissions Trading Expert Group (ETEG) zusammengefunden." Die Deutsche Börse als Mitorganisator des Treffens verweigerte zu Details allerdings jegliche Auskunft.

Shell und RWE beim ersten Treffen nicht anwesend

Neben dem Energiekonzern BP Amoco und den Hamburgischen Electricitätswerken (HEW) nahmen an dem Treffen in Berlin auch große Stomversorger, der WWF, das Bundesumweltministerium und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie an der ETEG teil.

Nicht vertreten waren allerdings beispielsweise die Unternehmen RWE und Deutsche Shell. "Wir befinden uns noch in einer Findungsphase, wie wir die Instrumente des Emissionshandels und auch Projekte zur gemeinsamen Minderung von Kohlendioxid-Emissionen (so genanntes Joint Implementation) beurteilen. Eine abschließende Meinung gibt es dazu noch nicht", sagte Pressereferent Manfred Lang von RWE gegenüber Handelsblatt.com.

Die Deutsche Shell begründete ihre Abwesenheit mit terminlichen Schwierigkeiten. Ein Sprecher äußerte jedoch, dass man dem Emissionsrechte-Handel positiv gegenüber stehe und auch an Arbeitsgruppen teilnehmen wolle, sofern diese nach einer unternehmensinternen Prüfung für die Deutsche Shell interessant erschienen.

Vereinbarung über Stillschweigen löst Spekulationen aus

Inhaltliche Ergebnisse des Berliner Treffens, waren zunächst nicht zu erfahren. Auf der Sitzung wurde Stillschweigen vereinbart. Dabei dürfte im Vordergrund stehen, dass sich einige Unternehmen offenbar noch unsicher sind, ob sie überhaupt teilnehmen, bevor sich von politischer Seite andeutet, ob eine freiwillige Teilnahme an einem Emissionsrechte-Handel steuerliche Anreize bringen wird.

In den Arbeitsgruppen werden sich die Experten und Unternehmensvertreter - wahrscheinlich im Turnus von zwei Monaten - treffen, um Marktorganisation und ein Marktmodell auszuarbeiten. Dazu sollen "Unter-Arbeitsgruppen" eingerichtet werden, die sich kontinuierlich in Projektarbeit mit der Organisation eines Emissionsrechte-Handels beschäftigen.

Im Vordergrund soll die Entwicklung eines eigenen Modells stehen, um Erfahrungen aus anderen Ländern nicht einfach identisch zu adaptieren. Außerdem soll erarbeitet werden, welche Anforderungen ein Unternehmen erfüllen muss, um an einem Handel mit Emissionsrechten teilzunehmen.

Deutschland im EU-Vergleich noch zurück

Einige Unternehmen, wie Shell, BP Amoco oder HEW haben jüngst durch Eigeninitiative gezeigt, dass es durchaus möglich ist, der Politik in der Entwicklung von Umweltschutzmaßnahmen weit voraus zu sein.

Beispiele dafür sind konzerninterne Handelsplattformen für Kohlendioxid-Emissionen bei BP Amoco und Shell. Oder auch der Pilotverkauf von Kohlendioxid-Minderungen durch HEW an das kanadische Energieversorgungsunternehmen TransAlta (Calgary), mit dem der Einsatz erneuerbarer Energien in Hamburg finanziert werden soll.

Doch neben diesen einzelnen Vorreitern begegnen besonders deutsche Unternehmen dem Emissionsrechte-Handel Maßnahmen noch mit großem Unbehagen. Während sich in Dänemark, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden bereits Kooperationen zwischen Wirtschaft und Politik in fortgeschrittenem Stadium befinden, läuft in Deutschland die Diskussion erst an.

DIW sieht großen Handlungsbedarf

Deutschland kann die selbstgesteckten Klimaschutz- Ziele bis 2005 nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nur noch mit großen Anstrengungen erreichen. Zu diesem Schluss kommt das DIW in Berlin in seinem jüngsten Wochenbericht. Angestrebt ist bisher eine Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes von 1990 bis 2005 um 25 Prozent.

Im Energiesektor müssten nach dem beschlossenen Atomausstieg die erneuerbaren Energiequellen den Kohlendioxid-freien Anteil der Kernkraftwerke übernehmen und ausbauen. Dazu müsse der Anteil von Sonne, Wind und Wasserkraft am Energiemix bis zum Jahr 2020 von derzeit knapp zwei auf mindestens 16 Prozent steigen.

Seit 1990 seien die deutschen Kohlendioxid-Emissionen zwar - anders als in den meisten europäischen Staaten - um mehr als 15 Prozent gesunken. Hierin schlage sich aber vor allem der grundlegende Strukturwandel in den neuen Bundesländern nach dem Mauerfall nieder, betonen die DIW - Experten.

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