Regelung tritt Oktober in Kraft
"Penny Stocks" am Neuen Markt brechen ein

Die Deutsche Börse will Unternehmen vom Neuen Markt ausschließen, wenn deren Aktienkurs unter einem Euro und der Börsenwert der Firma unter 20 Millionen Euro sinkt. Der Ermessungszeitraum liege bei insgesamt 120 Börsentagen und strecke sich über mehrere Phasen, teilte die Deutsche Börse am Freitag in Frankfurt mit.

Reuters FRANKFURT. Die Börse will nach eigenen Angaben mit den Delistings das Profil des Neuen Marktes schärfen und sich bei der Weiterentwicklung des Segmentes positionieren. Ein Großteil der Penny-Stocks am Neuen Markt brach kurz nach Bekanntgabe der Details ein. Der Nemax-All-Share-Index fiel um knapp drei Prozent auf ein Jahrestief von 1184,48 Punkte.

Die neuen Regeln bedeuten den Angaben zufolge, dass ein Unternehmen zunächst die beiden Grenzwerte an 30 aufeinander folgenden Börsentagen unterschreiten muss. Sollte der Aktienkurs beziehungsweise der Firmenwert in den darauf folgenden 90 Börsentagen nicht an mindestens 15 aufeinander folgenden Tagen über einen Euro beziehungsweise über 20 Millionen Euro liegen, werde das Unternehmen vom Neuen Markt ausgeschlossen.

Firmen, die aus dem Neuen Markt herausfallen, verlieren allerdings laut Börse nicht ihre Zulassung zum Börsenhandel, vielmehr könnten ihre Papiere auch weiterhin im Geregelten Markt oder Freiverkehr gehandelt werden. Auch die in Insolvenz geratenen Firmen sollen künftig vom Kurszettel des Neuen Marktes gestrichen werden. "Unternehmen mit geringem Börsenwert und insolvente Unternehmen sind keine Wachstumswerte", sagte Börsenvorstand Volker Potthoff.

Die von der Zahlungsunfähigkeit betroffenen Firmen sollen den Angaben zufolge vom Neuen Markt ausgeschlossen werden, wenn ein Insolvenzverfahren über das Vermögen eines Unternehmens eröffnet oder mangels Masse abgewiesen wird. Die Unternehmen hätten dies unverzüglich zu melden, hieß es. Gesellschaften, die vom Neuen Markt ausgeschlossen würden, müssten die Notierungsaufnahme am Geregelten Markt innerhalb von drei Monaten mit einem zum Börsenhandel zugelassenen Kreditinstitut oder Finanzdienstleister beantragen.

Der Neue Markt war vor gut einem Jahr nach einem zuvor beispiellosen Höhenflug eingebrochen und hat sich seither kaum erholt. Mitverantwortlich dafür war auch eine unprofessionelle und teils sogar irreführende Öffentlichkeitsarbeit einiger der dort notierten Unternehmen. Zahlreiche etablierten Firmen am Neuen Markt und auch Investoren hatten immer lauter gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, die das Vertrauen in den Markt zurück brächten.



Rund 35 der 342 am Neuen Markt gelisteten Aktien notierten am Freitagvormittag unterhalb eines Euro, acht davon stehen vor der Insolvenz oder haben das entsprechende Verfahren bereits beantragt. Eine gute Hand voll tendierte knapp drüber.

Mit der Fantastic AG notierte auch ein im Nemax 50-Index gewichteter Titel unterhalb der Ein-Euro-Grenze.

Zu den Firmen mit der geringsten Marktkapitalisierung am Neuen Markt und mit einem Aktienkurs von weniger als einem Euro zählten am Donnerstag den Daten der Deutschen Börse zufolge Prodacta, Blue C, Musicmusicmusic, Lipro, Prout, Ejay Infomatec, Refugium, Management Data und Micrologica .

Kurz nach Bekanntgabe der Details zum Delisting brach der Großteil der Penny-Stocks am Neuen Markt ein. Unter anderem verloren Prodacta mehr als 16 Prozent, Lipro 27 Prozent und MB Software mehr als 60 Prozent.

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