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Regen lähmt Wimbledon

London (dpa) - Der Regen in Wimbledon hat auch die härtesten Traditionalisten erweicht. Über dem Heiligen Rasen des Center Courts an der Church Road wird ein Dach gebaut.

London (dpa) - Der Regen in Wimbledon hat auch die härtesten Traditionalisten erweicht. Über dem Heiligen Rasen des Center Courts an der Church Road wird ein Dach gebaut.

Die Bedachung soll Spielabbrüche wie in diesem Jahr schon in der ersten Runde des Grand-Slam-Tennisturniers in London verhindern. Bis es soweit ist, wird allerdings noch viel Wasser die Themse herunter fließen. In zwei Jahren soll der erste Spatenstich erfolgen. Die ersten Matches auf dem neuen Center Court, der dann 15 000 Zuschauern Platz bieten wird, können 2009 gespielt werden.

«Wir wollen die Tradition des Turniers nicht zerstören», sagt der Präsident des All England Clubs, Tim Phillips. Doch schon 55 der 124 Matches der ersten Runde konnten beim verregneten Auftakt der 118. All England Championships nicht planmäßig zu Ende gebracht werden. Das Fernsehen meutert, und auch die Besucher der traditionsreichsten Tennis-Anlage der Welt lassen sich die Unannehmlichkeiten nicht mehr grenzenlos gefallen. Deshalb haben nun auch die hohen Herren des All England Lawn Tennis & Crocket Club, die sich jahrzehntelang strikt geweigert hatten, ihr Gefallen an einem mobilen Dach über dem Hauptplatz nach Art der Turniere in Melbourne, Halle oder Hamburg entdeckt. Oder wurden mit sanftem Druck überzeugt.

«Unser Center Court ist das Juwel in unserer Krone», betont Philipps. Und das werde er auch mit dem Millionen verschlingenden Schiebedach bleiben. 5200 Quadratmeter wird das Licht durchlässige Monstrum groß sein, das in 16 Meter Höhe über dem Rasen auch extreme Lopps zulassen wird. Knapp zehn Minuten wird es dauern, bis es komplett geschlossen ist. Zum Vergleich: In Halle dauert die Aktion 90 Sekunden. «Wir wollen uns den Errungenschaften des 21. Jahrhunderts nicht verschließen», sagt Philipps und kündigt an, dass auch die antiquierten Einrichtungen für die Spieler, Zuschauer und das Fernsehen modernisierte werden.

Von den ersten 124 Einzel-Matches der aktuellen Auflage des bedeutendsten Grand-Slam-Tennisturniers konnten knapp die Hälfte (25 bei den Herren/20 bei den Damen) nicht planmäßig ausgetragen werden. Seit 1991 sind fünf Tage komplett ins Wasser gefallen. Auch im vergangenen Jahr gab es nach einer meist sonnigen und warmen ersten Woche reichlich Regentage mit Spielunterbrechungen und quälenden Wartezeiten. Früher genossen die Besucher dann klaglos das Ambiente der Anlage, kauften Devotionalien, schlemmten Erdbeeren mit Vanille-Sauße und vergnügten sich unter dem Regenschirm in der Budenstadt. Die Fernsehzuschauer bekamen Konserven von Matches aus den Jahren zuvor gereicht und sagten sich: Das ist eben Wimbledon, das ist Tradition.

Vor drei Jahren führte diese Tradition dazu, dass Goran Ivanisevic seinen Titel erst am Montag gewinnen konnte. Leidtragende der Wetter-Kapriolen waren in der ersten Runde 2004 auch die deutschen Tennis-Profis. Florian Mayer schaffte es mit einem Sieg über zwei Tage in die zweite Runde und durfte sich am Mittwoch das Regen-Spektakel im Fernseher anschauen. Rainer Schüttler, Thomas Haas, Alexander Popp und Lars Burgsmüller warteten derweil auf die Fortsetzung ihrer Erstrundenpartien. Nur Nicolas Kiefer, der gegen den Schweden Thomas Johansson ausschied, hätte sich über mehr Regen sicher gefreut.

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