Regeneration noch im Vordergrund
Völler macht Schotten dicht

Drei Tage vor dem Fußball-Gipfel in Glasgow erklärte der Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Rudi Völler, am Mittwochnachmittag in Wolfsburg die künftigen Übungseinheiten der deutschen Fußball- Nationalmannschaft zu internen Veranstaltungen.

HB/dpa WOLFSBURG. Erst am Freitag sind beim Abschlusstraining im Hampden Park in Glasgow wieder Kiebitze gestattet. "Wir wollen so wenig wie möglich über unsere Mannschaft verraten, genau wie Berti Vogts so wenig wie möglich verraten will", begründete Bundestrainer Michael Skibbe die Maßnahme vor dem vorentscheidenden EM-Qualifikationsspiel am Samstag (16 Uhr/ARD) gegen die Elf des früheren Bundestrainers.

Zum Abschluss des einwöchigen Trainingslagers, dem morgen via Chartermaschine von Hannover nach Glasgow der Umzug folgt, konfrontierte das Trainergespann die Spieler erstmals mit dem kommenden Gegner. Bei Kaffee und Kuchen servierten sie Ausschnitte vom 2:1-Sieg der Schotten gegen Island und vermittelten dabei auch die zu befürchtende Stimmung in Glasgow. "Da erwartet uns ein Hexenkessel. Wir müssen uns auf eine hitzige Atmosphäre und auf einen großen Kampf einstellen", kündigte Kapitän Oliver Kahn an.

Der frisch gekürte Double-Gewinner des FC Bayern liebt derartige Voraussetzungen und benötigt als zusätzliche Motivation nicht die brisante Konstellation, dass ausgerechnet Ex-Coach Vogts die Geschicke des Kontrahenten leitet. Demonstrativ ging der Torhüter auf Distanz zu Michael Ballack, der am Vortag auch persönliche Revanchegelüste gegen Vogts geäußert hatte: "Für mich gibt es solche Gefühle wie Abrechnung nicht, so etwas interessiert mich nicht. Das einzig interessante ist die sportliche Herausforderung."

Regenration im Vordergrund

In dieser Hinsicht fühlt sich der 33-Jährige in letzter Zeit etwas unterfordert, weil sein Arbeitgeber international früh ausgeschieden war und in der Bundesliga zeitig als Meister feststand. "Mir fehlen die großen Spiele, der Nervenkitzel und das Adrenalin", räumte Kahn in seinem persönlichen Saisonrückblick ein: "Ich hatte sehr wenige Möglichkeiten, meinen Standard zu zeigen. Es gab keine spektakulären Spiele und damit keine Gelegenheit, mich in den Vordergrund zu spielen." Sportlich seien die letzten Wochen "ein bisschen langweilig" gewesen.

Dennoch sehnt der 33-Jährige die Ferien herbei, urlaubsreif präsentiert sich der zuletzt vornehmlich durch sein Privatleben in die Schlagzeilen geratene Vize-Weltmeister schon lange. Die Boulevard-Presse titelte wegen anhaltender Übellaunigkeit schon "Käpt'n Griesgram", und auch in Wolfsburg hinterlässt der Bayern - Kapitän einen angespannten Eindruck. Besserung scheint auch nach der letzten Saison-Aufgabe am Mittwoch auf den Färöer nicht in Sicht. "Drei Wochen Urlaub sind ein Witz, da kann man sich nicht erholen. Zur vollständigen geistigen und körperlichen Regeneration benötigt man mehr Zeit", klagte Kahn.

Völler indes hatte am Mittwochvormittag, als sich die Mannschaft bei brütender Hitze zum letzten öffentlichen Training auf deutschem Boden versammelte, noch immer nicht alle Mann an Bord. Carsten Ramelow, Frank Baumann und Miroslav Klose drehten in Turnschuhen einsam ihre Stadionrunden, ihr Einsatz aber ist nach Auskunft von Skibbe nicht in Gefahr. "Spätestens am Donnerstag ist zu erwarten, dass wir komplett trainieren", sagte Skibbe, dem im Wolfsburger Trainingslager nur das schwüle Wetter nicht behagte: "Es hätte ein wenig kühler sein dürfen." In Schottland erwartet das Trainergespann nicht nur deutlich kühlere Temperaturen, sondern auch ein interner Stimmungsumschwung.

"Momentan steht noch die Regeneration im Vordergrund. Mit dem Umzug aber kommt dann auch das Kribbeln", prophezeite Völler: "Da ist man nicht nur körperlich vor Ort, sondern auch geistig." Die letzte Reise ins Königreich endete zwar vor gut einem Jahr mit einer 0:1- Niederlage gegen Wales, als schlechtes Omen aber wollte Völler dies nicht bewerten: Schließlich wurde das deutsche Team vor sieben Jahren in England Europameister. Und siegreich blieb man auch vor zweieinhalb Jahren im letzten Spiel vor dem Abriss des Wembleystadions gegen Gastgeber England (1:0). Völlers Schlussfolgerung: "Wir können auch auf der Insel gewinnen."

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