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Regierende FLN gewinnt in Algerien

Die in Algerien regierende Nationale Befreiungsfront (FLN) hat nach offiziellen Ergebnissen bei der Parlamentswahl die absolute Mehrheit der Sitze gewonnen.

Reuters ALGIER. Innenminister Noureddine Zerhouni sagte am Freitag, die FLN von Präsident Abdelaziz Bouteflika erhalte 199 der 389 Mandate. Wegen eines Boykottaufrufs der Opposition und der Volksgruppe der Berber lag die Wahlbeteiligung bei lediglich 46,09 Prozent, einschließlich der im Ausland lebenden Algerier.

Geringste Wahlbeteiligung seit Unabhängigkeit

Das Innenministerium teilte mit, die Wahlbeteiligung sei die geringste seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1962 gewesen. Oppositionsparteien hatten zum Wahlboykott aufgerufen. Sie warfen der Regierung vor, sie plane einen Wahlbetrug. In der Kabylei, in der das Volk der Berber beheimatet ist, hatten militante Berber Wahllokale besetzt und Wahlurnen verbrannt. In der Provinz Tizi-Ouzou waren nach einer Meldung der Nachrichtenagentur APS nur 175 der 880 Wahllokale geöffnet. In den größten Städten der Kabylei, Tizi-Ouzou und Bejaia, lag die Beteiligung bei nur 1,84 beziehungsweise 2,62 Prozent. Die Berber fühlen sich von der arabischen Mehrheit im Land diskriminiert. In der algerischen Hauptstadt Algier gaben 31,81 der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Bei den Parlamentswahlen im Jahr 1997 lag die Beteiligung bei 65,6 Prozent.

FLN ging als Favoritin in die Wahl

Für die 389 Parlamentssitze kandidierten 10.052 Kandidaten von 23 Parteien und unabhängigen Listen. Wahlberechtigt waren 18 Millionen Algerier. Die FLN war als Favoritin in die Wahl gegangen. Bisher hatte sie 62 der Parlamentssitze. Die FLN ist die ehemalige Einheitspartei des nordafrikanischen Landes.

Kurz vor der Wahl am Donnerstag waren 25 Zivilisten bei einem Überfall moslemischer Extremisten im Nordwesten des Landes getötet worden. Bei Unruhen in der Kabylei östlich von Algier kam nach Angaben des Innenministeriums ebenfalls ein Mensch ums Leben. Einzelheiten dazu wurden nicht bekannt.

Die Parlamentswahlen sind die zweiten seit 1992. Damals brach die Regierung mit Unterstützung der Armee die Wahl ab, um einen Sieg der Islamisten und die Umwandlung Algeriens in einen Religionsstaat zu verhindern. Es begann ein Bürgerkrieg, bei dem inzwischen schätzungsweise 100.000 bis 150.000 Menschen ums Leben gekommen sind. In den vergangenen Jahren ist jedoch ein leichter Rückgang der Gewalt festgestellt worden.

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