Regierung berät Wahlverschiebung
Mord an Fortuyn erschüttert die Niederlande

Die Ermordung des Rechtspopulisten sorgt für Entsetzen. Das Motiv des 33-jährigen mutmaßlichen Täters ist noch völlig unklar. Fortuyns Partei wandte sich derweil gegen eine Verschiebung des Wahltermins.

HB/wiwo/ap/dpa DEN HAAG. Nach der Ermordung des Rechtspopulisten Pim Fortuyn wird in den Niederlanden über eine Verschiebung der für 15. Mai geplanten Parlamentswahl diskutiert. Die Partei des niederländischen Politikers hat der Regierung in Den Haag am Dienstag empfohlen, den 15. Mai als Termin der Parlamentswahlen beizubehalten. Dies teilte ein Sprecher der Liste Pim Fortuyn nach einstündiger Beratung mit dem amtierenden Ministerpräsident Wim Kok in Den Haag mit. Der Regierungschef kündigte an, dass er sich noch mit anderen Parteien beraten wolle, ehe eine Entscheidung falle. Sie wird noch am heutigen Dienstag erwartet.Fortuyn war am Montagabend einem Attentat zum Opfer gefallen.

Der niederländische EU-Kommissar Frits Bolkestein bezeichnete das Attentat auf den 54-jährigen Fortuyn als das schlimmste politische Ereignis der niederländischen Nachkriegsgeschichte. "Es war ein Anschlag auf die Freiheit und die Redefreiheit", sagte er am Dienstag in Brüssel. Die Wahl sollte nach seiner Ansicht aber am geplanten Termin stattfinden, sagte der ehemalige Verteidigungsminister. "Wir haben unsere Regeln, unsere Verfassung. Ich bin sehr dafür, so wie geplant weiter zu machen."

Der außenpolitische Repräsentant der EU, Javier Solana, verurteilte den Mord als Attentat auf demokratische Werte. "Ich verurteile kriminelle Akte, vor allem solche gegen Politiker, die ihre Meinung vertreten", sagte Solana. "Man kann anderer Meinung sein, aber in der Demokratie geht es um Meinungsäußerung."

Der europäische Fußballverband UEFA teilte mit, dass das UEFA-Cup-Endspiel zwischen Feyenoord Rotterdam und Borussia Dortmund wie geplant in der Heimatstadt Fortuyns stattfinden solle. Die Stadt Rotterdam erwäge aber noch, ob das Spiel im Feyenoord-Stadion abgesagt werden solle. Das Viertel, in dem das Stadion liegt, ist eine Hochburg der Rechten.

Der 54-Jährige wurde vor der Rundfunkzentrale in Hilversum mit mehreren Schüssen in den Kopf niedergestreckt und erlag kurz darauf seinen schweren Verletzungen. Der mutmaßliche Attentäter wurde wenig später festgenommen. Es handelt sich laut Polizei um einen 33 Jahre alten, weißen Niederländer. Über das mögliche Motiv wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Fortuyn hatte mit Attacken gegen den Islam und die liberale Einwanderungspolitik der Regierung immer mehr an Popularität gewann. Nach Umfragen kann die von ihm neu gegründete Partei mit dem Namen "Pim Fortuyns Liste" bei der bevorstehenden Wahl mit knapp 20 % der Stimmen rechnen. Damit nähme die ausländerfeindliche Gruppierung den dritten Platz in der niederländischen Parteienlandschaft ein und könnte sogar auf die Regierungsbildung Einfluss nehmen. Bis zu 28 der 150 Mandate werden ihr vorausgesagt.

Einige hundert Anhänger Fortuyns drangen am späten Montagabend in den Garage des niederländischen Parlaments in Den Haag ein und randalierten dort. Sie führten Fotos des Ermordeten mit sich. Nach offiziellen Angaben setzten sie mehrere Autos in Brand. Mitglieder der Fortuyn-Liste sprachen sich unterdessen dafür aus, die Wahl nicht zu verschieben. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Annemie Jorritsma nannte die Vorstellung, wie vorgesehen weiter zu machen, allerdings "bizarr".

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