Regierung in Belgrad hat Lage in Jugoslawien im Griff
UNO-Tribunal beharrt auf Auslieferung Milosevics

Reuters DEN HAAG. Das internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat Jugoslawien erneut aufgefordert, den früheren Präsidenten Slobodan Milosevic sofort auszuliefern. Die Regierung in Belgrad sei dazu verpflichtet, sagte Jean-Jacques Joris, der Chefanklägerin Carla del Ponte politisch berät, am Mittwoch in Den Haag. Dies sei nicht verhandelbar. Das Tribunal hat Milosevic 1999 wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Kosovo-Krieg angeklagt. Die Regierung in Belgrad lehnt seine Auslieferung ab. Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic äußerte sich zufrieden über die Festnahme Milosevics am Sonntag.

Joris sagte, nach der Festnahme Milosevics am Sonntag sei die Situation in Jugoslawien ruhig geblieben. Die Regierung in Belgrad habe die Lage im Griff und könne Milosevic ausliefern. Das Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen (UNO) bereitet außerdem einen Haftbefehl gegen Milosevic wegen Verbrechen im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 vor. In Jugoslawien soll Milosevic wegen Amtsmissbrauchs, Wirtschaftskriminalität und Anstiftung zur Gewalt der Prozess gemacht werden.

Der britische Außenminister Robin Cook sagte bei einem Besuch in Belgrad, Milosevic solle im Anschluss an ein Verfahren in Jugoslawien nach Den Haag ausgeliefert werden. "Ich glaube, die Menschen in Serbien sind berechtigt, vor einem (örtlichen) Gericht die volle Wahrheit über die von Milosevic am serbischen Volk begangenen Verbrechen zu hören", sagte Cook.

Cook fügte vor einem Gespräch mit Präsident Vojislav Kostunica hinzu, er sei nicht gekommen, um Druck auszuüben oder Drohungen auszusprechen. Die internationale Gemeinschaft wolle Serbien unterstützen. Serbien müsse jedoch im Gegenzug der internationalen Gemeinschaft helfen.

Djindjic sagte bei einem Besuch in der griechischen Hauptstadt Athen, er sei zufrieden mit dem Vorgehen der Polizei bei der Verhaftung Milosevics. Sie habe ihr Bestes getan, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Djindjics Äußerungen standen im Gegensatz zu denen Kostunicas vom Vortag. Dieser hatte gesagt, die Festnahme Milosevics sei tollpatschig und unzureichend durchdacht gewesen. Milosevic hatte sich bis zu seiner Aufgabe in seiner Villa in Belgrad verschanzt. Die Leichwächter des Ex-Präsidenten hatten zunächst dessen Festnahme mit Waffengewalt verhindert.

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