Regierung in Tokio revidiert Wachstumsprognose – Rückgang der Industrieproduktion und Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet
Der Konjunktureinbruch in Japan fällt tiefer aus

Die japanische Regierung hat am Freitag ihre bisherige Prognose über die Wirtschaftsentwicklung, die von Anfang des Jahres stammt, drastisch nach unten korrigiert. Statt eines Realwachstums von 1,7 % wird jetzt ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes bis März von 0,9 % erwartet.

ga/HB TOKIO. Finanzminister Masajuro Shiokawa machte trotz dieser Revision nochmals deutlich, dass er einen weiteren Nachtragshaushalt zur Konjunkturstimulierung nicht für erforderlich hält. Demgegenüber ließ der Chef des Kabinettssekretariats, Yasuo Fukuda, diese Möglichkeit erneut offen. Diese divergierenden Erklärungen machten erneut deutlich, dass es darüber weder im Kabinett noch innerhalb der regierenden Liberaldemokratischen Partei einen Konsens gibt.

Auch auf nominaler Basis wird jetzt mit einem deutlichen Rückgang des BIP von 2,3 % (bislang: +1,0 %) gerechnet. Damit würde das nominale BIP Japans im vierten Jahr hintereinander schrumpfen. Die japanische Regierung rechnet zudem im laufenden Fiskaljahr mit einem Rückgang der Großhandelspreise um 1,1 % (2000/01: -0,1 %) und der Verbraucherpreise um 0,8 % (0,4 %). Ursachen dieses anhaltenden Preisverfalls sind nicht nur die gesamtwirtschaftliche Nachfragelücke, sondern die Deregulierung in zahlreichen Wirtschaftsbereichen, der Umbruch im Distributionssystem, der technische Fortschritt sowie der Wettbewerbsdruck durch Billigimporte.

Führende private Wirtschaftsforschungsinstitute sind sogar noch skeptischer als die Regierung und prognostizieren für das laufende Fiskaljahr (bis März 2002) eine reale Schrumpfung der Wirtschaft um bis zu 1,5 %. Auch die Deutsche Bank Research hat ihre Japan-Prognose deutlich nach unten geschraubt und erwartet statt minus 0,6 % im kommenden Jahr ein Minus von 1,4 %. Die DB-Analysten sehen keine Chance mehr, dass Japan aus eigener Kraft aus dem Konjunkturtief aufsteigen kann, vielmehr müssten Impulse von extern, und hier besonders von den USA, kommen. Von den Mitgliedern des Geldpolitischen Ausschusses der Bank von Japan war Ende Oktober ebenfalls ein Rückgang des realen BIP zwischen-0,6 bis zu-1,6 % erwartet worden.

Angesichts der verschlechterten Einkommens- und Arbeitsmarktlage, wobei im Jahresdurchschnitt jetzt mit einer Arbeitslosenquote von 5,2 % (2000/01: 4,7 %) gerechnet wird, geht die japanische Regierung nur noch von einer sehr begrenzten Zunahme des privaten Verbrauchs um real 0,5 % aus. Bei den privaten Wohnungsbauinvestitionen wird jetzt sogar ein drastischer Rückgang um real 8 % erwartet. Auch vom Export können nach Ansicht der Regierung keine positiven Effekte erwartet werden. Konsequenz davon werde eine massive Drosselung der Industrieproduktion um 9,5 % (2000/01: +4 %) und der privaten Investitionen um real 3,3 % sein.

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