Regierung spricht Petrobras Vertrauen aus
Drohende Ölpest nach Untergang von Bohrinsel

Nach dem Untergang der größten Bohrinsel der Welt vor Brasilien wächst die Angst vor einer Umweltkatastrophe. Der Vorsitzende des staatlichen Ölkonzerns Petrobras, Henri Philippe Reichstul, prophezeite, die Ölcontainer an Bord der Plattform würden durch den Druck in über 1.300 Metern Tiefe bersten. Auf der Insel waren nach seinen Angaben 1,2 Mill. Liter Dieselöl und 300 000 Liter Rohöl gelagert. Ein Ölteppich tauchte wenige Stunden nach dem Untergang auf, ein zweiter Ölfilm wurde kurz danach entdeckt.

ap RIO DE JANEIRO. Nach dem Unglück 120 Kilometer vor der Küste hielt Petrobras elf Schiffe mit schwimmenden Barrieren und Öl auflösenden Chemikalien bereit. Während die Schiffe noch um den ersten Ölteppich die Barrieren auslegten, wurde bereits ein zweiter Ölfilm gesichtet. Experten hielten es für zweifelhaft, ob die Barrieren den Ölteppich bei starkem Seegang aufhalten könnten.

Auf der Bohrinsel P-36 war am Donnerstag nach einigen Explosionen ein Stützpfeiler weggebrochen. Alle Bemühungen, die Plattform zu stabilisieren, scheiterten, die Insel sank am Dienstag binnen zehn Minuten. Bei dem Unglück kamen zehn Arbeiter ums Leben.

Auf Antrag von Angehörigen der acht noch vermissten Arbeiter forderte ein Gericht in Rio de Janeiro das Unternehmen per einstweiliger Verfügung auf, die Leichen zu bergen. Falls der Konzern dem innerhalb von 24 Stunden nicht nachkommt, droht ihm laut der Nachrichtenagentur Estado eine Geldstrafe von 151 000 Real (rund 163 000 DM/83 000 Euro) pro Tag. Petrobras teilte mit, die Bergung der Leichen sei angesichts der Tiefe fast unmöglich.

Ölfirma will Sorgen zerstreuen

Die Ölfirma versuchte unterdessen die Sorgen vor einer Umweltkatastrophe zu zerstreuen. Reichstul räumte zwar ein, das gesamte Öl an Bord der Plattform könne ins Meer gelangen, betonte aber, das Unternehmen sei wegen der Umwelt nicht allzu besorgt. Auch die brasilianische Umweltbehörde erklärte, da das Gebiet auf hoher See weit entfernt von der Küste liege, sei die Gefahr nicht allzu groß. Wissenschaftler vermuteten, das leichtere Dieselöl werde vermutlich innerhalb einiger Tage verdunsten. Das Rohöl werde sich dagegen aufspalten und teilweise zu Boden sinken. Ein Teil werde nach und nach an die Oberfläche kommen.

Nach Ansicht des deutschen Greenpeace-Experten Karsten Smid sind die Küstenwälder in Gefahr. Je nach Windrichtung werde das Öl auf die Küste zutreiben und die einzigartigen Mangrovenwälder bedrohen, sagte er im WDR. Smid betonte, auch seiner Organisation lägen Informationen vor, dass Petrobras auf Kosten der Sicherheit und der Umwelt produziere, und die Sicherheitsstandards nicht gegeben seien.

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