Regierung und Internationaler Währungsfonds einigen sich über neues Kreditpaket
Türkei-Experten setzen auf den IWF-Effekt

FRANKFURT/M. Besitzer von Türkei-Anleihen können vorerst aufatmen. Nachdem die Türkei gestern mitteilte, dass sie sich mit dem IWF auf einen neuen Milliarden-Kredit geeinigt hat, sprangen die Kurse türkischer Euro-Bonds in die Höhe. Zuvor waren die Anleihekurse wegen der Liquiditätskrise des Landes eingebrochen.

Die Renditevorsprünge von Bonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren gegenüber Bundesanleihen, die in der vergangenen Woche um die Hälfte auf 7,18 Prozentpunkte zugelegt hatten, schmolzen um über 1 Prozentpunkt auf gut 6 Punkte zusammen. Der Istanbuler Aktienmarkt schloss unterdessen mit einem Plus von 19,45 %.

Vier Banken müssen angeblich schließen

Am Bondmarkt baut man wieder darauf, dass die Türkei ihre Anleihe-Schulden pünktlich bedient und der IWF rasche Reformen im Bankensektor durchsetzt. Anleihe-Experten erwarten einen neuen IWF-Kredit in Höhe von 5 bis 8 Mrd. $. Laut Jürgen Odenius von der Commerzbank dürften in den nächsten Tagen mindestens vier kleinere türkische Banken geschlossen werden, die mit hochspekulativen Geschäften den Liquiditätsengpass mit verursacht hätten. Die türkische Zentralbank habe signalisiert, dass sie solche Banken nicht mehr mit Liquidität versorgen wolle.

Auslandsinvestoren hatten noch am Freitag besorgt 1 Mrd. $ aus dem Land abgezogen, Anfang der Woche flossen nochmals 300 Mill. $ ab. Dass die Türkei für die schlechte Grundstimmung gegenüber Emerging Markets verantwortlich sei, bestreiten die Experten. Es fehle generell der "Appetit auf Risiko".

Um das Vertrauen der Investoren rasch wieder zu gewinnen, müsse die Türkei schnell handeln, meint Armin Kayser vom Fondshaus DIT. Er rechnet damit, dass sich die Türkei bis Anfang nächster Woche zu weiteren Reformschritten äußert. "Eine Schlüsselrolle für die Wende liegt beim IWF", sagt er.

Türkei erfüllt Auflagen besser als andere

Abzuwarten bleibe, ob weitere Kapitalabflüsse verhindert werden könnten, ergänzt Janis Hübner von der DG Bank. Sonst drohe eine Abwertung der türkischen Lira. Hübner meint aber, dass ein Kredit von 8 Mrd. $ der Türkei auch für Reformen reichen dürfte. Das Land habe die Auflagen des IWF bislang besser erfüllt als vergleichbare Staaten, sagt Kayser. Somit habe es kein Schuldenproblem und könne seine Euro-Bond- Schulden über 30 Mrd. DM bezahlen.

Hübner sieht keinen Grund, Türkei-Anleihen zu verkaufen. Die Geld-Brief-Spannen ohnehin seien so groß, dass Anleger ihre Bonds kaum los werden, sagt Anja Bischoff von der Deutschen Bank. Dass die Agentur Standard & Poor's den Ratingausblick für die Türkei von "positiv" auf "stabil" herabstufte, weil der Liquiditätsdruck die angestrebte Stabilisierung bedrohe, dürfte die Bondkurse kaum weiter schwächen, meint sie.



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