Regierung verspricht höhere Stipendien
Tausende Studenten demonstrieren in Wien gegen Studiengebühren

Gegen die von der österreichischen Regierung geplante Einführung von Studiengebühren haben am Mittwoch in Wien Tausende Studenten protestiert. Bei den Hochschullehrern fanden die Studenten Unterstützung. Der Rektor der Universität Wien, Georg Winckler, kritisierte die geforderte Zahlung von 10 000 Schilling (etwa 1500 DM) pro Student und Studienjahr als Studenten-Steuer.

Reuters WIEN. Eine Polizeisprecherin sagte, an einer Kundgebung vor dem Parlament hätten etwa 20 000 Teilnehmer teilgenommen.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sagte am Mittwoch nach der Kabinettssitzung, zur Abfederung der Studiengebühren würden die Stipendien erhöht. Zudem solle den Universitäten ein großer Betrag für Forschung und Entwicklung zur Verfügung gestellt werden. Wie hoch dieser Betrag sein würde, sagte Schüssel indes nicht. Die Mitte-Rechts Koalition aus konservativer Volkspartei (ÖVP) und rechtspopulistischer Freiheitlicher Partei (FPÖ) hatte die Einführung der Studiengebühren im September beschlossen. Die Gebühren für den Zugang zu den Universitäten sollen vom Herbst 2001 an erhoben werden.

Rektor Winckler sagte, der von den Studenten zu zahlende Beitrag könne nicht als Studiengebühr verstanden werden, weil damit keine Erhöhung der Leistung in der Lehre verbunden sei. Damit werde nur jenes Loch gestopft, das durch den Sparkurs der Regierung bei den Universitäten zuvor aufgerissen worden sei. Neben Winckler nahmen auch mehrere Universitätsprofessoren an der Demonstration der Studenten teil.

Studentenvertreter fordern freien Zugang zur Bildung

Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ), Alfred Gusenbauer, warf der Regierung vor, mit dem Beitrag der Studenten nur Löcher im Staatshaushalt stopfen zu wollen, weil weder die Studenten noch die Universitäten davon profitierten. Studentenvertreter warnten vor dem Ende des freien Zugangs zur Bildung.
Studiengebühren waren in Österreich Anfang der 70er Jahre vom sozialdemokratischen Bundeskanzler Bruno Kreisky abgeschafft worden.

Auch in anderen österreichischen Universitätsstädten fanden zur gleichen Zeit Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmern gegen die Studiengebühren statt.

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