Regierung will Aktionäre über Optionspläne für Management entscheiden lassen
Gier erzürnt britischen Gesetzgeber

Das Unternehmen als Selbstbedienungsladen fürs Management? In England und den USA sind die üppigen Optionsprogramme längst in der Kritik, die Politik macht mobil.

LONDON/NEW YORK. Während in der Bundesrepublik noch über die großzügigen Aktienoptionen von Telekom-Chef Ron Sommer gestritten wird, ist die Diskussion über die richtige Unternehmenskontrolle (Corporate Governance) in USA und Großbritannien schon weiter. Hier will der Gesetzgeber die Selbstbedienungsmentalität in Chefetagen bremsen. ´

Nach etlichen Fällen von üppigen Zusatzverdiensten etwa beim US-Getränkehersteller Coca Cola oder dem US-Softwarekonzern Oracle sind nun auch die Briten empört. Ihnen platzte der Kragen, als sie hörten, dass die Handelskette Marks & Spencer dem einstigen Vorstandschef Peter Salsbury für 2001 einen sechsstelligen Bonus genehmigt hatte - trotz des schlechtesten Ergebnisses aller Zeiten.

An sich verfolgen Stock Options ein gutes Ziel. Sind sie ausgefeilt, sollen sie Führungskräfte auf eine Wellenlänge mit den Aktionären bringen. Top-Manager können die Wandelschuldverschreibungen in einer bestimmten Zeit in Aktien des eigenen Unternehmens tauschen. Der Kurs steht manchmal schon vorher fest, meist tauscht man jedoch anhand des aktuellen Börsenkurses.

Doch nicht immer erfüllen sie ihren Zweck: Seit den Skandalen über fette Optionspakete bei schlechten Zahlen beschäftigen sich in den USA gleich mehrere Regulierungsbehörden und der US-Kongress mit dem Thema. Die New York Stock Exchange (NYSE) forderte kürzlich, dass die Aktionäre künftig allen Optionsplänen zustimmen müssten.

Längst bezweifeln prominente Aktionärsschützer wie Nell Minow, dass Aktienoptionen die Leistungen der Manager verbessern. Unterstützung erhält er von der Wissenschaft: "Durch Aktienoptionen verbinden sich Interessen der Manager eher mit denen kurzfristiger Spekulanten und anderer Optionsbesitzer", sagt William Allen, Direktor für Unternehmensrecht an der Universität New York.

In Großbritannien feilt eine Komission des Handelsministeriums an den letzten Paragraphen eines Zusatzes zum Gesellschaftsrecht. Das Werk soll nächsten Monat veröffentlicht werden. Kernpunkt der Reform: Aktionäre sollen über Optionspläne des oberen Managements entscheiden dürfen. Die britischen (Pensions-)Fondsmanager als wichtigste Vertreter der Aktionäre unterstützen die Reform. Trotz der Diskussion gebe gerade mal ein Viertel der Unternehmen aus dem Index FTSE-350 transparente Leitlinien, wie sie ihr Top-Management bezahlen, schätzt Michelle Edkins von Hermes Asset Management, einem der größten Manager von Pensionsfonds in Großbritannien.

"Viele Manager könnten einen viel besseren Job machen", glaubt sie. Zu oft stünden in den Berichten Platitüden wie bei der Telekom-Firma Thus. Die schreibt zwar in ihrem Geschäftsbericht, Bonuspläne seien an "Erwartungen" geknüpft. Welche das sind, sagt Thus nicht. Doch Reformen sind nicht leicht: Hüben wie drüben wehren sich die Firmen. So laufen die Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley Sturm gegen gesetzliche Regelungen, weil sie ihre Mitarbeiter größtenteils mit Aktien entlohnen.

Im Land der unbegrenzten Optionspakete kämpft auch der einflussreiche "Business Roundtable" für den Erhalt des Systems. Die Lobbyarbeit des Zusammenschlusses von Managern führender US-Unternehmen scheint sich auszuzahlen: Der nach dem Enron-Skandal frische Reformdruck in Washington hat nachgelassen. Vor allem Forderungen, Kosten von Aktienoptionen zu nennen und von den Unternehmensgewinnen abzuziehen, finden kaum noch Gehör.

Auf der Insel hört sich das ähnlich an: Der Entwurf der britischen Regierungs-Kommission sei zwar gut, aber er dürfe nicht zu weit gehen: "Ein Best-Practice-Ansatz könnte viel weiter führen", findet Colin Melvin, Leiter Corporate Governance des Fondsmanagers Baillie Gifford. Andernfalls könnten die Unternehmen versuchen, gesetzliche Forderungen abzuhaken "ohne wirklich Auskünfte zu geben".

Um starre Gesetze zu verhindern, sucht mancher sein Heil in der Offensive. Hank Paulson, Chef der Investmentbank Goldman Sachs, schlägt vor, Aktiengeschäfte von Managern innerhalb von 48 Stunden zu veröffentlichen. Zudem verlangt er, dass Manager ihre Aktiengewinne aus den letzten zwölf Monaten vor einem Konkurs des Unternehmens zurückzahlen müssen.

In Großbritannien schlagen Fonds-Vertreter vor, Optionszahlungen stärker mit vom Aktienkurs unabhängigen Ereignissen zu verknüpfen. "Wenn eine britische Firma nach Deutschland expandiert, müssten die Anreizsysteme nach dem Erfolg am dortigen Markt ausgerichtet werden", sagt Michelle Edkins. Reicht das nicht, weiß Peter Montagnon von der britischen Vereinigung der Versicherer Rat: "Die Aktionäre müssten nicht nur einen ungerechtfertigten Bonus verhindern können, sondern anschließend auch das Management abwählen dürfen."

Quelle: Handelsblatt

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