Regierungschef Djindjic will staatlich bezahlte Milosevic-Leibwächter abschaffen
Serbiens neue Regierung kündigt Festnahme Milosevics an

dpa BELGRAD. Der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic könnte schon im Januar festgenommen werden. "Objektiv kann man die Festnahme von Milosevic im Januar erwarten, und ginge es nach mir, wären er und seine Frau Mira Markovic schon längst hinter Gittern", sagte Nebojsa Covic, stellvertretender Ministerpräsident der serbischen Übergangsregierung und einer der Führer der bei den Parlamentswahlen siegreichen demokratischen Koalition DOS am Donnerstag der Belgrader Zeitung "Glas javnosti".

Gesetzliche Maßnahmen gegen Milosevic haben mehrmals auch der künftige serbische Regierungschef Zoran Djindjic und andere DOS- Führer angekündigt. Sie werfen dem Ex-Diktator unter anderem Gewalt gegen das eigene Volk, Wahlfälschungen und illegale Bereicherung vor.

Milosevic wird von einer Polizei-Sondertruppe beschützt

Im Gegensatz zu seiner Frau, die als neugewählte Abgeordnete im jugoslawischen Parlament Immunität genießt, ist Milosevic seit dem Machtverlust Anfang Oktober nur noch Chef seiner Sozialistischen Partei und somit ohne Immunität. Er wird aber weiterhin von einer ihm ergebenen Sondertruppe der Polizei geschützt und wohnt in einer Staatsvilla, die ihm nicht gehört. Djindjic hat die Aufhebung der staatlich bezahlten Milosevic-Leibwächter als eine der ersten Maßnahmen seiner Regierung, die bis Mitte Januar gebildet sein soll, angekündigt.

Covic sagte dem Blatt weiter, Milosevic und seine Frau müssten die Rechnung für alle Untaten erhalten und sich vor dem eigenen Volk für die nationale Katastrophe verantworten. Covic lehnte jedoch die Auslieferung des ehemaligen Serbenführers ans Haager UN - Kriegsverbrechertribunal ab. "Das Ehepaar muss hier vors Gericht, und diesen Genuss dürfen wir nicht jemandem anderem überlassen", sagte Covic. Eine Auslieferung lehnen vorerst auch Djindjic und der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica unter Berufung auf die Verfassung ab.

In der DOS-Führung verlangt die Auslieferung von Milosevic und anderer wegen Kriegsverbrechen angeklagter Serben an das Tribunal in Den Haag lediglich der demokratisch gewählte Präsident des Parlaments der nordserbischen Provinz Vojvodina, Nenad Canak. "Diese Personen müssen nach Haag gehen, denn sie soll ein Gericht nach dem Gesetz richten und nicht das Volk", sagte er der Belgrader Zeitung "Danas"

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