Regierungschef wirbt für Resolutionsentwurf
Blair stellt Ministerin nach Rücktrittsdrohung kalt

Der britische Premierminister Tony Blair hat ein Mitglied seiner eigenen Regierung wegen scharfer Kritik an seinem harten Irak-Kurs politisch kalt gestellt. Entwicklungshilfe-Ministerin Clare Short hatte zuvor ihren Rücktritt für den Fall angekündigt, dass Blair ohne Zustimmung der UN in einen Irak-Krieg zieht.

HB/dpa LONDON. Wie die BBC am Montag berichtete, machte ein Regierungssprecher "kristallklar, dass Shorts Karriere im Kabinett möglicherweise vorbei ist".

"Wenn es keine UN-Zustimmung gibt, werde ich zurücktreten", hatte Short am Sonntagabend im BBC-Rundfunk gesagt. Sie ist das erste Kabinettsmitglied, das wegen der Irak-Politik Blairs mit Rücktritt droht. Short, die dem linken Flügel der Labour-Partei angehört, warf Blair außerdem "außergewöhnliche Rücksichtslosigkeit" im Umgang mit seiner Partei, der öffentlichen Meinung und "seiner eigenen politischen Zukunft" vor. Blair habe "nicht den Mut", seine Einflussmöglichkeit gegenüber der US-Regierung zu nutzen.

Britische Zeitungskommentatoren bezeichneten den Vorgang als Blairs "größte Krise" seit seinem Amtsantritt als Regierungschef. Nach den Angaben behält Short nach Gesprächen mit dem Premierminister zwar zunächst ihren Job, jedoch habe er ihr offenbar das Vertrauen entzogen. Er wolle nur deshalb derzeit an ihr festhalten, um sie nicht zu einer Märtyrerin zu machen und so die parteiinterne Anti-Kriegsstimmung nicht noch weiter anzuheizen, hieß es.

Unterdessen bemühte sich Blair weiter um eine zweite UN-Resolution mit einem Ultimatum, wonach Saddam Hussein noch bis zum 17. März Zeit hat, alle UN-Auflagen für eine Entwaffnung des Irak zu erfüllen. Er habe während des Wochenendes bei zahlreichen Staats- und Regierungschef für seinen Vorschlag geworben. Die Bemühungen dauerten am Montag an.

Wenige Stunden vor den Äußerungen der Entwicklungshilfeministerin hatte der Labour-Abgeordnete Andrew Reed seinen Rücktritt vom Posten des parlamentarischen Privatsekretärs von Umweltministerin Margaret Beckett erklärt. Reed, der sein Abgeordnetenmandat behält, zählt nach Angaben britischer Zeitungen zu einer Gruppe von bis zu zehn führenden Minister-Mitarbeitern, die bei einer möglichen Militäraktion ohne eine zweite UN-Resolution ihre Ämter aufgeben wollen.

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