Regierungsgebäude in Washington evakuiert
Die Welt hält den Atem an

In Deutschland ist es kurz vor 15 Uhr, als eine Serie von Anschlägen in den USA den Alltag mit einem Schlag unterbricht. Minute für Minute wird deutlich: Es handelt sich um den brutalsten Terroranschlag in der Geschichte der USA. Die Börsen werden geschlossen, der Bundestag stoppt seine Beratungen.

oli NEW YORK/WASHINGTON. Der Büroalltag in New York sollte beginnen, wie an jedem anderen Tag. Die Händler an der Wall Street haben eben ihre Bildschirme ins Visier genommen. Die Sicherheitsleute, die alle Besucher der beiden Türme des World Trade Centers routinemäßig mit Metalldetektoren kontrollieren, haben sich eben an den Eingängen postiert, als gegen 9 Uhr eine Explosion den südlichen Turm des World Trade Centers erschüttert. Sofort quillt eine schwarze Rauchsäule aus dem Gebäude, Alarmsignale fordern alle Angestellten in den Büros des Hauses dazu auf, das Gebäude zu verlassen, ein Unterfangen, das bei den bis zu 20 000 Menschen, die in jedem der beiden Gebäudetürme arbeiten, Stunden dauern kann.

18 Minuten später, die Evakuierung ist bereits im Gang, übertönt eine weitere Explosion das lautstarke Chaos rund um die beiden Türme des Gebäudes. Diesmal ist sofort klar: keine Bombe, sondern ein Flugzeug hat den zweiten Turm getroffen. Eine Boeing mit an die 200 Passagieren an Bord ist ins oberste Drittel des Turmes gerast. Die Stadt gerät in helle Aufregung. Die Absperrung wird immer weiträumiger. Auch die Händler in der Wall Street müssen ihre Büros verlassen.

Szenenwechsel: Im Washingtoner Pentagon herrscht Hektik. Im Verteidigungsministerium wird ein Krisenstab zusammengerufen, der sich mit den Anschlägen im 150 Kilometer entfernten New York beschäftigt. Den nationalen Verteidigungsexperten wird immer deutlicher, dass es sich um gezielte Anschläge auf das Symbol amerikanischen Wohlstands handeln muss. Augenzeugenberichte werden durchgegeben, nach denen für beide Explosionen Flugzeuge verantwortlich sind, die gezielt in die Gebäude gelenkt wurden. Präsident George W. Bush , der sich in Florida aufhält, ist informiert. Er entschließt sich, sofort vor die Kameras zu treten. Dies sei eine "nationalen Tragödie", sagt der Präsident. Er legt eine Schweigeminute für alle Opfer des Anschlags ein. Niemand weiß zu dieser Zeit, wie viele Tote und Verletzte der Terrorakt gekostet hat. Beobachter sprechen von Tausenden Toten, unter ihnen natürlich auch Deutsche.

Pentagon selbst Opfer eines Anschlags

In dem Augenblick, als Bush die bereitstehende Air-Force-One-Maschine besteigt, um zum Schauplatz des Geschehens zu fliegen, werden seine Mitarbeiter im Pentagon selbst Opfer eines Anschlags. Wieder ist es ein Flugzeug, das gezielt das Verteidigungsministerium trifft. Sofort wird das Gebäude geräumt. Mitarbeiter ziehen sich in darunter liegende Schutzräume zurück. Die National Guard wird alarmiert. Die Bediensteten im Weißen Haus, das in unmittelbarer Nähe des Pentagons steht, müssen ebenfalls sofort ihren Arbeitsplatz verlassen. Auch alle umliegenden Regierungsgebäude werden evakuiert. Es wird klar: Dies ist der schlimmste Terroranschlag in der Geschichte der USA.

Nachrichtenbilder werden um die Welt gefunkt. Reportern stockt die Sprache. Die Krankenhäuser nehmen Verletzte mit schweren Brandverletzungen im Minutentakt auf. Telefonleitungen brechen zusammen, weil jeder wissen will, was mit seinem Angehörigen, seinem Freund, seinem Kollegen passiert ist. Doch die Katastrophe steigert sich. Um 10.15 hält der südliche Turm des World Trade Centers den Belastungen nicht mehr Stand. Er bricht zusammen. 15 Minuten später wird auch der nördliche Turm ein Raub der Flammen. Durch die Häuserschluchten von New York wälzt sich eine Wolke aus Staub und Rauch. "Die Luft ist zwei Zoll dick. Es ist wie eine mit Schnee überdeckte Stadt", berichtet eine Augenzeugin.

Die Welt hält den Atem an. Die Börsen werden geschlossen. Die U-Bahnen stehen still. Die russische Luftwaffe wird in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Auch Moskau fürchtet einen Anschlag. In Deutschland bricht die Routine ab. Die Gitter vor dem Kanzleramt rasseln nach unten, der Bundessicherheitsrat wird einberufen. Nur in den palästinensischen Gebieten werden spontan Freudenfeste gefeiert, während Palästinenserführer Jassir Arafat offiziell sein Beileid bekundet. Ein Gerücht wird fieberhaft über alle Nachrichtenkanäle verbreitet: Während weltweit Flugzeuge umdirigiert und zum Landen aufgefordert werden, hält angeblich eine weitere Maschine Kurs auf das Pentagon. Eine Bestätigung ist von offizieller Seite nicht zu bekommen.

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