Regierungskommission will Unternehmen zu regelmäßigen Quartalsberichten verpflichten
Porsche sieht Entscheidung über MDax-Ausschluss gelassen entgegen

Der Sportwagenhersteller Porsche sieht einer Entscheidung der Deutschen Börse AG über seinen Ausschluss aus dem MDax gelassen entgegen.

HB FRANKFURT/M. "Die Mitgliedschaft im MDax ist kein besonders wichtiges Anlagekriterium für unsere Investoren", sagte gestern ein Sprecher des Unternehmens. Der MDax bildet die 70 mittelgroßen deutschen Aktienwerte ab.

Porsche droht der Ausschluss aus diesem Index, weil sich das Unternehmen weiterhin beharrlich weigert, einen von der Börse verpflichtend vorgeschriebenen Quartalsbericht vorzulegen. Die Frist zur Vorlage des Berichtes war am Samstag abgelaufen. Der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse entscheidet am 7. August über den Verbleib Porsches im MDax.

Ein Ausschluss gilt bei Experten als sicher. "Kandidaten, die sich grundsätzlich weigern, Quartalsberichte zu liefern, werden wir aus den Indizes herausnehmen", hatte Börsenvorstand Christoph Lammersdorf bereits im Februar gewarnt. "Dabei bleibt es, wir werden auf der Einhaltung der Regeln bestehen", bekräftigte gestern ein Sprecher der Börse.

Wichtiger als der Verbleib im MDax sei für Porsche die bevorstehende Aufnahme in einen der weltweit anerkannten Indizes von Morgan Stanley Capital International (MSCI), sagte der Porsche-Sprecher weiter. "Darauf schauen die Finanzmärkte in aller Welt, und das ist uns wichtig", sagte der Sprecher.

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Er sprach sich erneut gegen die von der Deutschen Börse AG verlangte regelmäßige Vorlage von Quartalsberichten aus. Das Autogeschäft sei zyklisch, so dass Quartalsberichte wenig aussagekräftig seien.

"Wenn dies so ist, muss das der Vorstand eben den Aktionären zusammen mit dem Quartalsbericht erklären", sagte der Frankfurter Rechtsprofessor Theodor Baums. Er ist Vorsitzender der Regierungskommission "Corporate Governance" (Unternehmensleitung und-kontrolle) zur Reform des Aktienrechts. Die Kommission will die börsennotierten Unternehmen zu einem Verhaltenskodex sowie zu regelmäßigen Quartalsberichten verpflichten.

Die Kommission, die Bundeskanzler Gerhard Schröder nach der Beinahe-Pleite des Baukonzerns Philipp Holzmann eingerichtet hatte, will Baums zufolge vor allem den Anlegerschutz verbessern. Die Firmen sollten gesetzlich dazu angehalten werden, den Kodex insgesamt zu respektieren oder zu begründen, warum sie sich an bestimmte Punkte nicht halten wollten, sagte Baums. Ferner solle empfohlen werden, die Pflicht zu Quartalsberichten im Handelsgesetzbuch festzuschreiben. In der Kommission sind unter anderem Kanzleramt sowie Finanz- und Wirtschaftsministerium vertreten.

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