Regierungskrise
Seifenoper auf französisch

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy steuert in seine schwerste politische Krise: Die Vermischung von privatem und politischem Leben hat die Sympathiewerte Sarkozys in den Keller rutschen lassen. Nun hat ihm auch noch sein Sohn Jean politisch dazwischengefunkt - und Sarkozys Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Neuilly aus dem Rennen geworfen.

PARIS. In welcher Republik leben wir eigentlich?" fragt sich der Chef der französischen Sozialisten, François Hollande empört. "In einer Monarchie", antwortet François Bayrou, Vorsitzender der Zentrumspartei Modem sarkastisch. "In einer Seifenoper", meint der grüne Spitzenpolitiker Noël Mamère.

Die bittersüßen Kommentare der Opposition gelten Nicolas Sarkozy. Nach Scheidung und Hochzeit im Schnelldurchgang durchlebt Frankreichs Präsident schon wieder ein Familiendrama. Sohn Jean hat seinem Vater politisch dazwischengefunkt. Im Pariser Vorort Neuilly hat der 22-Jährige aktiv dazu beigetragen, Sarkozys Kandidaten für das Bürgermeisteramt nur knapp vier Wochen vor der Kommunalwahl aus dem Rennen zu werfen.

Das ist keine Kleinigkeit: Beim Kandidaten namens David Martinon handelt es sich um den Sprecher des Élysée-Palastes und damit um einen der engsten Mitarbeiter des Präsidenten. Und Neuilly ist jener Ort, in dem Sarkozy selber politisch groß wurde und dem er 19 Jahre als Bürgermeister vorstand. Der Vorgang hat Symbolcharakter. Zehn Monate nach seinem grandiosen Wahlsieg rast "Speedy Sarko" mit Vollgas in seine bisher schwerste politische Krise. Seine Popularität beim Volk hat er eingebüßt, und seine Autorität im Regierungslager ist schwer angeschlagen. Die miesen Umfragewerte des Präsidenten ziehen die Regierungspartei UMP mit in den Keller. Sie muss bei der Kommunalwahl Mitte März mit einem Desaster rechnen. Gut möglich, dass die Sozialisten die konservativen Bürgermeister vieler Städte von Straßburg bis Toulouse aus dem Rathaus jagen.

Sarkozy hat das erste von fünf Amtsjahren noch nicht hinter sich, da macht sich in Paris schon eine Fin-de-règne-Stimmung breit. Minister sollen ihren Rücktritt angeboten haben, darunter die für Wirtschaft und Finanzen zuständige Christine Lagarde. Hinterbänkler der UMP wagen offene Kritik am mächtigen Generalsekretär des Élysée-Palastes, Claude Guéant, und meinen damit letztlich den Präsidenten selbst. Sarkozy hat ein Machtwort gesprochen und der Regierung mit einer durchgreifenden Kabinettsumbildung nach der Kommunalwahl gedroht. Die schwelende Palastrevolte kann er aber nur mühsam unterdrücken.

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