Regierungspläne erhöhen die Neigung zur Kapitalflucht
Kontrolle verärgert Bankkunden

Die Kunden deutscher Banken fühlen sich durch die Vorhaben der rot-grünen Bundesregierung zunehmend eingeengt. Vor allem die genaue Auskunft an die Finanzämter über Kapitalerträge ist vielen ein Dorn im Auge

po FRANKFURT/M. Die Pläne der rot-grünen Bundesregierung, Kapitalerträge künftig über Kontrollmitteilungen besser erfassen zu könne, stößt bei Anlegern auf wenig Verständnis. Die Verunsicherung steigt und einige Investoren haben bereits begonnen, ihr Kapital in das Ausland zu transferieren. "In den vergangenen Wochen haben wir etliche Depotübertragungen in das benachbarte Ausland beobachtet", sagte DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner vergangene Woche.

Andere Banken spüren zwar ebenfalls die große Verunsicherung, sehen die Lage aber entspannter. "Die Kunden sind sicherlich nicht erfreut, aber noch nicht in Panik und verfallen auch nicht in blinden Aktionismus", sagte ein Sprecher der Dresdner Bank. Auch die Commerzbank-Kunden fassen sich derzeit noch in Geduld: "Ich erwarte nicht, dass da noch viel passieren wird", gibt sich der Sprecher sehr gelassen. Die Deutsche Bank rät ihren Kunden, gegenwärtig noch abzuwarten. "Wir haben keine größeren Depotbewegungen und raten unseren Kunden auch nicht dazu", so ein Sprecher.

Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass durch Kontrollmitteilungen der Banken an die Finanzbehörden, Zinsen und Aktiengewinne genau erfasst und somit auch besteuert werden können. Finanzminister Hans Eichel erhofft sich dadurch im Jahr 2006 Mehreinnahmen in Milliardenhöhe. "Diese Pläne führen nur zu mehr Bürokratie, aber nicht zu mehr Steuerehrlichkeit", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Manfred Weber. Die veröffentlichten Zahlen über die im Ausland verwahrten Kapitalvermögen der vergangenen Jahre, ergeben zudem, dass ein erhöhter Druck auf die Kapitalanleger nicht zu einer Erhöhung der Erfassungsdichte der Kapitaleinkünfte im Inland führt. "Abhilfe kann hier nur eine unbürokratische Besteuerung auf niedrigem Niveau schaffen", so der Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Die deutsche Kreditwirtschaft präferiert die Abgeltungsteuer als verträglichsten Lösungsvorschlag. Die Abgeltungssteuer wird and er Quelle direkt bei den Banken abgezogen.

Bankenvertreter warnen Anleger aber auch vor voreiligen Handlungen. "Das Geld ist schnell ins Ausland transferiert aber nur schwer wieder zurückgeholt. Diese Lektion haben viele Anleger Anfang der neunziger Jahre gelernt, als schon einmal größere Kapitalbewegungen in das benachbarte Ausland stattgefunden haben", sagte ein Frankfurter Banker. Zudem sei es zu auffällig, wenn im vergangenen Jahr erhebliche Kapitalerträge bei den Finanzämtern angegeben wurden und in diesem Jahr plötzlich nicht mehr.

Für die Banken bedeuten die rot-grünen Pläne allerdings finanziell eine erhebliche Belastung. Die Sparkassengruppe fürchtet Mehrkosten in Milliardenhöhe. Andere Bankenvertreter halten sich mit konkreten Zahlenangaben bislang noch zurück. "Die jetzt vom Gesetzgeber angedachte Lösung bürdet der Kreditwirtschaft unverhältnismäßige Verwaltungskosten auf," sagt BVR-Sprecher Rolf Kiefer. Ein gigantischer Aufwand, die erforderlichen Daten zu erfassen und zu verwalten, käme auf die Banken zu, wenn die im Kabinettsbeschluss vorgesehenen Gesetzesänderungen tatsächlich Gesetz würden, sagt Kiefer. Ein Zinsertrag müsste zukünftig fünffach verarbeitet beziehungsweise offen gelegt werden.

Ein solcher Erfassungsaufwand wird nach Ansicht der Banker zudem zwingend zu Steuermindereinnahmen führen, da die horrenden Verwaltungskosten als Betriebsausgaben abzugsfähig sind , ohne dass ihnen zusätzliche Steuereinnahmen aus der Einkunftsart Kapitalvermögen gegenüberstehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%