Regierungspläne und stärkerer Wettbewerb treiben Rationalisierung der Zahntechnik voran
Schmerzhafte Revolution im Dental-Labor

Die Zahntechniker fürchten die höhere Mehrwertsteuer und die Senkung der Preise für Zahnersatz. Dem steigenden Kostendruck werden rationalisierte Labors am besten standhalten.

FRANKFURT. Deutschlands Zahntechniker ächzen: Das Sparprogramm der Bundesregierung wird kräftig auf die Gewinnspannen im Zahnersatz-Geschäft drücken. Dabei ist es noch nicht einmal so schlimm gekommen wie befürchtet. Zwar erhöht sich der Mehrwertsteuersatz für Zahnersatz 2003 von bisher 7 auf 16 %, doch die Kürzung der Höchstpreise fällt geringer aus als geplant: Die Spitze des von Krankenkassen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen ausgehandelten Preisrahmens wird im Vergleich zum Jahr 2002 lediglich um 5 % statt um 10 % gekürzt.

Die Preissenkung soll die Krankenkassen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums um gut 100 Mill. Euro entlasten. Viele Handwerksbetriebe treibt sie nach Darstellung des Verbands der deutschen Zahntechnikerinnungen (VDZI) in den Ruin. Tatsächlich sind die Preise für zahntechnische Leistungen in den vergangenen zehn Jahren kaum gestiegen. Während Handwerksdienstleistungen insgesamt um fast 29 % zulegten, kletterten die Preise für Zahnersatz lediglich um 5,6 %.

Auch wenn angesichts des zunehmenden Kostendrucks seit 1998 in der Branche bereits 20 000 Stellen abgebaut wurden, ist das Präzisionshandwerk Zahntechnik noch immer äußerst personalintensiv. Rund 80 % der Produktionskosten entfallen nach VDZI-Angaben auf Personal- und direkte Materialkosten.

Folge des Sparprogramms: Zahntechnik- Anbieter werden noch stärker rationalisieren. Davon gehen Firmen wie die Pforzheimer Girrbach Dental GmbH oder die Sirona Dental Systems aus Weinheim aus. "Auf kurze Sicht dämpft das Sparprogramm die Investitionsfreudigkeit", sagt Jutta Girrbach, Geschäftsführerin des gleichnamigen Familienbetriebs, der einen Teil seines Umsatzes bereits mit einem computergesteuerten System für die maschinelle Herstellung von Zahnersatz erwirtschaftet. Ähnliches ist vom Wettbewerber Sirona zu hören. "Auf längere Sicht werden die Zahnärzte jedoch bei ihren Patienten verstärkt die Eigenleistung propagieren und damit den technologischen Wandel vorantreiben", sagt Joachim Pfeiffer, der den Geschäftsbereich Dentalsysteme bei Sirona leitet.

Da die gesetzliche Krankenversicherung schon heute einen erheblichen Eigenanteil bei Zahnersatz vorsieht, bekommt der Patient die Erhöhung der Mehrwertsteuer direkt zu spüren. Auch das könnte die Nachfrage nach preisgünstigem Zahnersatz steigern. Der Import aus Billiglohnländern ist vollkommen legal - sofern nicht wie im Betrugsfall Globudent die höheren Inlandspreise abgerechnet werden.

Zunehmender Wettbewerb droht den Zahntechnik- Labors aber auch durch maschinengefertigten Zahnersatz, der im Minutentakt im Großlabor oder sogar in der Zahnarztpraxis selbst gefertigt wird. Experten bescheinigen dem Zahnersatz von der Stange, zumindest technisch mit den Kleinodien aus dem traditionellen Labor mithalten zu können. Ein in einer entsprechend ausgestatteten Praxis maschinengefrästes Vollkeramik-Inlay kommt den Patienten gut ein Drittel billiger als ein laborgefertigtes und wird damit zur echten Alternative.

Dies gilt zumindest an den wenig sichtbaren Stellen im Mund des Patienten: Denn in ästhetischer Hinsicht reichen die Produkte von der Stange noch nicht an den handwerklich gefertigten Zahnersatz heran, bei dem mehrere Farbschichten übereinander gebrannt werden, um die Natur möglichst bis zur Vollendung zu imitieren.

Quelle: Handelsblatt

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